LEITWÖLFE erzählen

In der Impulsserie „LEITWÖLFE erzählen“ berichten bekannte Persönlichkeiten von ihren Cloudüberlegungen und -lösungen. Sie schaffen damit ein Vorbild, wie man sich der Cloud nähern kann. Dadurch sollen Menschen motiviert werden, sich Lösungen anzuschauen, eigenes Know-how aufzubauen und Probeläufe durchzuführen. Auf diese Weise können ungerechtfertigte Totalblockaden abgebaut werden, und ein Klima der kompetenten und kritischen Auseinandersetzung wird geschaffen. Sprich: motivierende Berichte von Leitwölfen zwingen andere Entscheider, von einem unkritischen „no go“ abzurücken. 



Hannes Ruess
IT-Chef, Lenzing AG


Hannes Ruess ist seit Dezember 2010 IT-Chef in der Lenzing AG, dem global führenden Faserhersteller. Der gebürtige Kärntner hat mehr als 28 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war vor Lenzing für mehrere große internationale Baustoffkonzerne federführend im Aufbau und in der Installation von innovativen IT-Lösungen tätig. Diesen reichen Erfahrungsschatz setzt der heute 52-jährige CIO nun bei der Umsetzung der globalen IT-Strategie von Lenzing AG ein. Der ambitionierte „Head of global IT“ ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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About Lenzing:

Die Lenzing Gruppe mit Sitz in Österreich und Produktionsstätten in allen wichtigen Märkten sowie einem weltweiten Netz an Verkaufs- und Marketingbüros ist Weltmarktführer in der Faserherstellung. Mit über 75 Jahren Erfahrung in der Produktion von hochwertigen Cellulosefasern ist die Lenzing AG international der einzige Hersteller, der in großindustriellem Maßstab alle drei Generationen von man-made Cellulosefasern – von der klassischen Viscose- über die Modal- bis zur Lyocellfaser (TENCEL®) – unter einem Dach vereint.

Fasern aus Lenzing kommen in der globalen Textil- und Nonwovens-Industrie zum Einsatz. „Nonwovens“ bedeutet „nicht gewebt“ – die aus diesen Fasern hergestellten Vliesstoffe finden ihren Einsatz in sensiblen Bereichen wie Hygiene, Medizin und Kosmetik. Darüber hinaus reicht die Produktpalette von Faserzellstoff, Cellulose-Standard und Spezialfasern bis zu Engineering-Dienstleistungen.

In Europa bestehen neben dem Hauptsitz in Lenzing Niederlassungen in Heiligenkreuz im Burgenland (Lyocellfasern), im englischen Grimsby sowie in Paskov (Tschechische Republik). Weitere Unternehmensstandorte befinden sich in Mobile (Vereinigte Staaten), in Indonesien (PT. South Pacific Viscose), in Patalganga, Indien (Lenzing Modi Fibers India Pvt. Ltd.) und im chinesischen Nanjing. Büros werden in New York, Shanghai, Hongkong, Jakarta und Coimbatore unterhalten. Im Schnitt erwirtschaftet Lenzing bei voller Auslastung aller Faserkapazitäten pro Jahr einen Absatz von rund 1 Million Tonnen Viskose (vornehmlich aus Buchenholz), was einen Marktanteil von 20 Prozent und ein rund 2-Mrd.-Euro-Geschäft bedeutet.


Lenzing auf dem Weg in die Cloud

Große Cloud-Vorteile bei der Plant Maintenance

oder

Höheres Maß an Sicherheit und Compliance durch Cloud Services?

 

Der digitale Wandel ist unaufhaltsam und wird rückständige Unternehmen künftig hinwegfegen. Um das zu verhindern, müssen sich IT-Leiter bzw. CIOs vom Bewahrer zum Gestalter – und manchmal gar zum Störenfried – entwickeln. Denn oft gilt es, neue technologische Wege zu beschreiten, die ein Scheitern nicht ausschließen. Der gezielte Einsatz von Cloud Computing innerhalb der IT-Strategie ermöglicht jedenfalls den meisten Unternehmen agilere und flexiblere Infrastrukturen, Steigerungen der Effizienz und auf längere Sicht beträchtliche Kosteneinsparungen. Aus diesen und anderen Gründen setzt auch der weltweit führende Faserhersteller Lenzing AG immer öfter auf Cloud-Lösungen.

Die digitale Transformation ist weder eine zeitgeistige Erscheinung noch ein bloßer IT-Trend. Da geht es um radikale Änderungen der Geschäftsprozesse, des Umgangs mit Kunden und der Unternehmenskultur über alle Branchen und Märkte hinweg. „In gewisser Weise wird jede Organisation künftig zu einem IT-Unternehmen“, meint etwa Julia Neuschmid, Senior Research Analyst bei IDC Central Europe, und hebt damit die Bedeutung der Entwicklung hervor. CIOs (Chief Information Officer) nehmen dabei naturgemäß eine wichtige und kritische Rolle ein. So auch Hannes Ruess, CIO des Faserherstellers Lenzing AG, der mit seinem Team aus weltweit rund 90 Mitarbeitern inzwischen in allen Bereichen und an allen Standorten des Unternehmens aktiv mitmischt. „Wir sehen uns nicht nur als Serviceabteilung, sondern denken strategisch mit. Denn als ein global tätiges Unternehmen müssen wir weltweit schnell und flexibel auf die Entwicklungen des Marktes reagieren“, so der „Head of global IT“. Der 52-Jährige sieht die Aufgabe der IT und Kommunikation daher zunehmend darin, global ein Netzwerk von Technik und Prozessen zu installieren und auszubauen, auf das alle Abteilungen und Standorte im gleichen Maße zugreifen können und das sie bei ihrer täglichen Arbeit bestmöglich unterstützt. 

Das Internet gilt in diesem Zusammenhang international längst als „Game Changer“, wobei hinsichtlich Industrie 4.0 der Fokus auf Technologien der sogenannten 3. Plattform – Cloud, Big Data, Social Business und Mobility – liegt. Laut IDC würden bereits im Jahr 2017 mehr als 50 Prozent der IT-Ausgaben der globalen Top-2000-Unternehmen auf diese Bereiche entfallen. Und bis 2020 sollen rund 60 bis 70 Prozent davon allein in die Cloud fließen, so die Prognose.

Genaue Prüfung Case by Case

Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen in Österreich, die hier noch etwas zaghaft agieren, hat Lenzing AG die Notwendigkeit der Zeit und die neuen Rahmenbedingungen längst erkannt. CIO Ruess ist zwar offen für neue technische Lösungen, auch jene aus der „Wolke“, doch „wir springen nicht mit allem und jedem in die Cloud, sondern schauen uns sowohl den Anbieter von Cloud Services als auch die konkrete Lösung sehr genau an“. Denn der erfahrene IT-Chef sucht stets nach der besten Lösung, die im Wesentlichen durch die beste Variante einer Prozessabbildung bestimmt wird und nicht zwingend eine On-Premise-Lösung sein muss, wie noch vor wenigen Jahren. „Wenn die Cloud als die bessere Lösung erscheint, dann wird sie auch als erste Variante untersucht“, sagt Ruess.
Ob also Cloud oder On-Premise der richtige Weg ist, entscheidet der CIO Case by Case, stellt dabei die Funktionalität und den Unternehmensnutzen in den Vordergrund und bewertet immer auch die zur Übermittlung geplanten Daten.
Manchmal jedoch werde der Schritt hin zur Nutzung bestimmter sinnvoller Cloud-Lösungen durch die Notwendigkeit gebremst, den bestehenden Betrieb mit all seinen Schnittstellen dahinter gemäß den cloudtechnischen Erfordernissen permanent und in kurzen Updatezyklen nachzurüsten, wozu Lenzing – wie auch viele andere Konzerne – organisatorisch nicht immer in der Lage ist. Ruess: „Da wird es noch viel Kompromissbereitschaft sowie technische Lösungen seitens der Hersteller brauchen.“
Ob also Cloud oder On-Premise der richtige Weg ist, entscheidet der CIO Case by Case, stellt dabei die Funktionalität und den Unternehmensnutzen in den Vordergrund und bewertet immer auch die zur Übermittlung geplanten Daten.
Manchmal jedoch werde der Schritt hin zur Nutzung bestimmter sinnvoller Cloud-Lösungen durch die Notwendigkeit gebremst, den bestehenden Betrieb mit all seinen Schnittstellen dahinter gemäß den cloudtechnischen Erfordernissen permanent und in kurzen Updatezyklen nachzurüsten, wozu Lenzing – wie auch viele andere Konzerne – organisatorisch nicht immer in der Lage ist. Ruess: „Da wird es noch viel Kompromissbereitschaft sowie technische Lösungen seitens der Hersteller brauchen.“

Vereinfachte Prozesse bei Störungsmeldungen

Essenziell für die digitale Transformation seien jedenfalls die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg und der Datenaustausch mit Marktteilnehmern. Große Vorteile bieten Cloud-Lösungen in vielen Bereichen der Prozessabwicklung und im Fall von Lenzing AG insbesondere bei der Plant Maintenance, also der Instandhaltung nach Maß. Was hier innovative Digitalisierungsmaßnahmen bedeuten können, skizziert CIO Hannes Ruess anhand eines konkreten Beispiels: „Wir sind eine investitionsgetriebene Branche, denn alles, was zur Produktion notwendig ist, ist sehr kapitalintensiv. Daher haben wir einen riesigen Plant-Maintenance-Aufwand zu treiben, also Instandhaltung nach Maß, schließlich laufen unsere Anlagen 24/7, also rund um die Uhr. Diese Plant Maintenance (PM) ist ein digital unterstützter Prozess, integriert über die gesamte ERP-Logik (Enterprise Resource Planning). Bisher waren bei Störungsmeldungen sowie für die Rückmeldungen nach der jeweiligen Fehlerbehebung zur Dokumentation und Prozessabwicklung viele manuelle Maßnahmen und viel Papier erforderlich. Wir haben nun diesen Auftrag an ein mobiles Device unter Verwendung einer Cloud-Lösung übergeben, verbunden mit einer Handheld-App. Ist der Auftrag erfüllt, hat der Mitarbeiter der PM nichts anderes zu tun als den Auftrag zu bestätigen, und wir übernehmen es wieder zurück in die Maintenance und die Geschichte ist abgebildet. Das bedeutet eine Zeitersparnis von etlichen Stunden pro Auftrag.“

Im zweiten Schritt konnten auch aktive Aufträge vom Mitarbeiter direkt an die PM übergeben und erledigt werden, die er aufgrund seiner Erfahrung und seiner Beobachtungen via Handheld-App bzw. Mobile Device vor Ort eingab, ohne dass es zuvor eine Störungsmeldung gegeben hatte. Dieser Prozess ist heute fast vollkommen digitalisiert. CIO Ruess: „Ein weiterer Schritt wird nun die Schmierung der langen Produktionsanlagenlinien betreffen, die in unserem Fall essenziell ist und immer gewährleistet sein muss.“ Die Herausforderung bestehe darin, dass jedes Element ein anderes Schmiermittel braucht. „Die Anlagen sind über die Maintenance mit einem Barcode identifizierbar, sodass der Mitarbeiter in der Instandhaltung in Zukunft nur hingehen wird und mithilfe seines Mobile Devices (Tablet oder Handy) gleich das richtige Schmiermittel, das er mit Bild angezeigt bekommt, anfordern und verwenden kann – mit einfachen Anwendungshilfen, die es dafür im SAP gibt.“ Darüber hinaus könnte man gerade bei kritischen Anlagen die GPS-Fähigkeit des Geräts nützen, um festzustellen, ob nicht nur die Rückmeldung, sondern tatsächlich auch die Schmierung stattgefunden hat. 

Sicherheit und Compliance bei heiklen Daten

Für den IT-Experten besteht die große Herausforderung generell darin, einerseits den komplexen Anforderungen des digitalen Wandels zu genügen und andererseits die notwendige Stabilität und Sicherheit für die zentralen Geschäftsprozesse zu gewährleisten. Deshalb wird viel Augenmerk auf die Auswahl der Cloud-Partner gelegt und konsequent zwischen sensiblen und „harmlosen“ Daten unterschieden. Dennoch wird in der Lenzing AG – neben der Abwicklung der Instandhaltung, der Lademittel-Gestellung und Transportlogistik (siehe Interview) sowie der Personalentwicklung – die Cloud auch zur Speicherung und Übermittlung von streng vertraulichen Informationen eingesetzt, sowohl im Unternehmen als auch hin zum Aufsichtsrat und zu den Entwicklungspartnern. Also in wirklich kritischen Bereichen, wo es um die Zukunft des Unternehmens, um heikle Dokumentationen und Kommunikationsinhalte oder um Aufsichtspflichten gemäß des Börsengesetzes geht. Denn, so IT-Chef Ruess, oft werde über diese Lösung ein höheres Maß an Sicherheit und Compliance erreicht als auf herkömmlichen Wegen. Entscheidend dafür ist u. a. das Provider Shielding, weil dadurch im Vergleich zu einer internen Lösung mittels Administrator auf die Inhalte nicht durch Dritte zugegriffen werden kann. Das sei gerade in solchen essenziellen Bereichen eines Unternehmens von enormem Vorteil, ist Ruess überzeugt.

Eine erfolgreiche IT-Strategie in all diesen Bereichen besteht für CIO Hannes Ruess prinzipiell darin, die digitale Transformation aktiv zu betreiben. „So können wir unsere Selbstbestimmung wahren.“ Bremsen oder sich Verweigern funktioniert hier nicht, denn man kann sich dem umfassenden Wandel nicht mehr verschließen. Damit geht nicht zuletzt auch ein Kulturwandel im Unternehmen einher: Mitarbeiter müssen lernen, mit den neuen Möglichkeiten umzugehen und diese zu nutzen. Und dabei gehören alle Generationen abgeholt, um Konflikte zu vermeiden. Das sei viel Arbeit, aber auch eine große Chance. „Wichtig sind Offenheit im Denken und gute Ideen“, sagt Ruess. Dann lassen sich auch erforderliche Investitionen sinnvoll argumentieren.

Daten & Fakten zum Unternehmen

Die Lenzing Gruppe mit Sitz in Österreich und Produktionsstätten in allen wichtigen Märkten sowie einem weltweiten Netz an Verkaufs- und Marketingbüros ist Weltmarktführer in der Faserherstellung. Mit über 75 Jahren Erfahrung in der Produktion von hochwertigen Cellulosefasern ist die Lenzing AG international der einzige Hersteller, der in großindustriellem Maßstab alle drei Generationen von man-made Cellulosefasern – von der klassischen Viscose- über die Modal- bis zur Lyocellfaser (TENCEL®) – unter einem Dach vereint.

Fasern aus Lenzing kommen in der globalen Textil- und Nonwovens-Industrie zum Einsatz. „Nonwovens“ bedeutet „nicht gewebt“ – die aus diesen Fasern hergestellten Vliesstoffe finden ihren Einsatz in sensiblen Bereichen wie Hygiene, Medizin und Kosmetik. Darüber hinaus reicht die Produktpalette von Faserzellstoff, Cellulose-Standard und Spezialfasern bis zu Engineering-Dienstleistungen. <s></s>

In Europa bestehen neben dem Hauptsitz in Lenzing Niederlassungen in Heiligenkreuz im Burgenland (Lyocellfasern), im englischen Grimsby sowie in Paskov (Tschechische Republik). Weitere Unternehmensstandorte befinden sich in Mobile (Vereinigte Staaten), in Indonesien (PT. South Pacific Viscose), in Patalganga, Indien (Lenzing Modi Fibers India Pvt. Ltd.) und im chinesischen Nanjing. Büros werden in New York, Shanghai, Hongkong, Jakarta und Coimbatore unterhalten. Im Schnitt erwirtschaftet Lenzing bei voller Auslastung aller Faserkapazitäten pro Jahr einen Absatz von rund 1 Million Tonnen Viskose (vornehmlich aus Buchenholz), was einen Marktanteil von 20 Prozent und ein rund 2-Mrd.-Euro-Geschäft bedeutet.

INTERVIEW

Wenn die Cloud als die bessere Lösung für eine Prozessabbildung erscheint, wird sie auch als erste Lösung untersucht“

oder

Viele Services aus der Cloud sind günstiger, ressourcen- sparender, leichter planbar und teilweise auch sicherer“

 

In vielen großen und international agierenden Unternehmen mit komplexen Produktionsketten werden etliche IT-Ressourcen zunehmend ausgelagert, wobei Cloud Computing immer öfter zum Einsatz kommt. Denn: Mithilfe ausgesuchter und geprüfter Cloud Services werden oft Synergiepotenziale besser genutzt, die Komplexität der internen IT-Landschaft reduziert und mehr Flexibilität sowie Sicherheit bei diversen Services und Kommunikationswegen erreicht. Im Gespräch mit EuroCloud zeigt Hannes Ruess, CIO des Faserherstellers Lenzing AG, auf, in welchen Bereichen der Weltmarktführer bereits Cloud-Lösungen einsetzt, wie diese geprüft werden, welche Erfahrungen bereits gesammelt und welche Vorteile und Kosteneinsparungen dabei erreicht werden konnten. 

Welche Rolle spielt die IT in der Industrie und speziell in Ihrem Unternehmen?

Böse Zungen im Haus sagen, wir sind ein IT-Betrieb mit angeschlossener Faserproduktion. Jedenfalls hat die IT in den vergangenen fünf Jahren einen Wandel in der Wahrnehmung sowie in der Bedeutung vollzogen. Waren wir früher eher die Technologie-Bereitsteller, so sind wir heute die Prozessexperten. Der Schwerpunkt liegt dabei im Design von Wirtschaftsprozessen und in deren Abbildung, um Compliance sicherzustellen. Aber im Wesentlichen sieht man IT nun als einen Marktvorteil. IT und Prozessmanagement gehören inzwischen zusammen, die Grenzen verschmelzen zunehmend und wir haben das Verständnis im Unternehmen: Business ist IT und IT ist Business. 

Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Einerseits durch konsequentes Arbeiten von der IT-Seite daran, dieses Selbstverständnis herzustellen und das bis dahin unterschätzte Business Alignement ganz nach vorne zu reihen. Denn das eigentliche Thema war und ist die optimale Prozessausrichtung. Das hat uns, die IT, zu einem essenziellen Ansprechpartner fürs Business gemacht. Mit der Digitalisierung von Prozessen und technischen Innovationen konnte einiges verbessert werden. Hinzu kam als zweite Kraft das Verständnis in der Unternehmensleitung für diese Entwicklung und die damit verbundenen erforderlichen Investments und Maßnahmen in diesem Bereich.

 

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Wir nutzen schon seit mehreren Jahren Cloud-Lösungen z. B. zur Erweiterung der Effizienz in einigen Warenwirtschaftsprozessen wie etwa der Instandhaltung, wo wir Arbeitsaufträge aus SAP über eine Cloud-Lösung an die Mitarbeiter verteilen und die Erledigung inklusive Zeitaufwand vom mobilen Endgerät wieder zurückspielen. Die Cloud wurde in diesem speziellen Fall aufgrund der extrem schnellen Einführbarkeit in allen Zeitzonen gewählt.

Können Sie uns dafür ein praktisches Beispiel aus Ihrem Businessalltag geben?

Ein gutes Beispiel ist unsere Frachtabwicklung, die sehr intensiv ist. 60 Prozent unseres Geschäfts sind in Asien, wobei die Fasern, die auf dem asiatischen Markt verarbeitet werden, vornehmlich in Europa produziert werden. Da wir Hochvolumen-Transportmittel benötigen, sind Verfügbarkeit und Tragbarkeit der Container für uns ein Dauerthema und hinsichtlich der Suche und Abstimmung nach bzw. von Frachtmitteln ein manueller und höchst aufwändiger Prozess. Also haben wir uns aktiv mit einem technischen Unternehmen verbunden, das in diesem Bereich eine weltweit verfügbare und schnell einsetzbare Lösung über die Cloud anbietet. Das Ergebnis ist, dass wir heute diesen ganzen Prozess über eine geschlossene Frachtbörse erledigen, der international rund 40.000 Frächter angehören. Wenn nun, wann auch immer, ein Frachtauftrag zu vergeben ist, wird dieser direkt aus dem Prozess per Mausklick über das Portal zugeordnet, also nur noch über einen Ansprechpartner. Die Frächter „kaufen“ den Frachtauftrag entweder zu den mit uns vereinbarten Standardpreisen oder geben ein individuelles Preisangebot ab. Die weitere Abwicklung ist auf beiden Seiten vollkommen digitalisiert. Hinzu kommt, dass dieses cloudbasierte Portal für uns im Rahmen einer großen Supply Chain neben der logistischen Abwicklung auch den mühsamen Rechnungsprüfungsprozess sowie die Kosten- und Ergebnisrechnung deutlich vereinfacht – mit dem Effekt, dass wir heute nicht nur einen besseren Überblick über weltweit verfügbare Lademittel haben, sondern intern auch kein manueller Prozess mehr notwendig ist.

Warum denken Sie, dass Cloud Computing für Lenzing AG auch künftig besonders wichtig sein wird?

Viele Services und Lösungen aus der Cloud sind günstiger, ressourcensparender in den Einführungsprozessen, variabel und skalierbar in den Kosten und daher auch leichter planbar. Und es gibt immer mehr innovative Anbieter in Form von hochspezialisierten Klein- und Mittelunternehmen, wie das soeben skizzierte Beispiel zeigt.

Haben Sie für Ihr Unternehmen auch eine spezielle Cloud-Strategie, die den Weg in den kommenden drei Jahren beschreibt?

Eine explizite Cloud-Strategie haben wir nicht. Das Thema Cloud kommt in unserer IT-Strategie vor – nämlich insofern, als dass wir generell sagen: Wir fürchten uns nicht vor der Cloud und geben On-Premise-Varianten nicht automatisch den Vorzug. Wir suchen heute nach der besten Lösung, die im Wesentlichen durch die beste Variante einer Prozessabbildung bestimmt wird. Und wenn die Cloud als die bessere Lösung erscheint, dann wird sie auch als erste Lösung untersucht. Allerdings: Wir springen nicht mit allem und jedem in die Cloud, und wir schauen uns sowohl den Anbieter von Cloud Services als auch die konkrete Lösung sehr genau an. Wesentlich ist dabei nicht zuletzt die Frage der Inhalte und folglich auch der Sicherheit.

Woran denken Sie beim Thema Sicherheit konkret?

Bei Daten, die als streng vertraulich klassifizierbar sind, muss man naturgemäß extrem vorsichtig sein. Doch gerade hier hat sich gezeigt, dass die Cloud die richtige Wahl für viele Kommunikationsprozesse sein kann. So nutzen wir sie erstens für die Speicherung und Übermittlung von vertraulichen Dokumentationen der Entscheidungsabläufe im Vorstand bzw. im Executive Board im Konzern, zweitens für die heikle Kommunikation hin zum Aufsichtsrat sowie zwischen diesem und seinen Gremien wie z. B. dem Prüfungsausschuss. Und drittens kommt eine Cloud-Lösung für den hochsensiblen Informationsaustausch zwischen uns und unseren Engineering- und Entwicklungspartnern (z. B. chemischen Labors und Universitäten) zum Einsatz. Hier ist für uns auch das Thema Faserentwicklungen sowie Neuerfindungen und die damit verbundene exakte zeitliche und inhaltliche Dokumentation hinsichtlich Rechtschutz und Urheberrecht absolut relevant.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?

Auch bei dieser Fragestellung stehen die Funktionalität, die Integrierbarkeit und der Unternehmensnutzen im Vordergrund. Es gibt kein dediziertes Regelwerk zur Cloud-Nutzung, sondern ein stetig wachsendes Verständnis über die Klassifizierung von Informationen und die Notwendigkeit des Informationsschutzes. So gesehen ist der Prüfprozess bei uns immer sehr individualisiert, und der Use Case muss passen.

Wie bekommen Sie angesichts der generellen Entwicklung zum Multi-Provider Management das richtige Mitarbeiter-Know-how zu Cloud-Lösungen ins Unternehmen?

Wichtig sind Personen, die ein gesundes Verständnis für Datensicherheit haben, im privaten Leben Cloud Services nutzen und ein Bewusstsein darüber haben, dass es Informationsquellen gibt, die in unserem Business niemals in einer Cloud gespeichert werden dürfen. Im Grunde genommen haben wir es recht pragmatisch gelöst, in Form eines „Prüfzirkels“: Wir haben einen Kollegen, der die Infrastruktur und die Datensicherheit verantwortet und der auch die entsprechende Ausbildung dafür hat, sowie einen spezialisierten Rechtsanwalt, der die juristischen Kriterien prüft. Daneben gibt es einen Einkäufer, der für die inhaltlichen Voraussetzungen zuständig ist und Erfahrung mit Zukauf von Dienstleistungen hat, und nicht zuletzt mich als CIO für die technische Bewertung. Das heißt, dieses Quartett prüft jeweils die Funktionalität der Cloud-Lösung sowie die Compliance und ergänzt so das Wissen, das wir ohnehin im Haus haben, mit rechtlichem, inhaltlichem und technischem Know-how. Nicht zu vernachlässigen in diesem Zusammenhang ist auch der Austausch in Netzwerken mit anderen CIOs, deren Erfahrungen extrem wertvoll sind, um hier noch mehr Sicherheit bei gewissen Entscheidungen und Prozessen zu gewinnen. In einem nächsten Schritt planen wir, Qualitätsstandards von StarAudit in unsere Auswahlprozesse für Cloud Services einzubinden. 

Zur Person

Hannes Ruess ist seit Dezember 2010 IT-Chef in der Lenzing AG, dem global führenden Faserhersteller. Der gebürtige Kärntner hat mehr als 28 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und war vor Lenzing für mehrere große internationale Baustoffkonzerne federführend im Aufbau und in der Installation von innovativen IT-Lösungen tätig. Diesen reichen Erfahrungsschatz setzt der heute 52-jährige CIO nun bei der Umsetzung der globalen IT-Strategie von Lenzing AG ein. Der ambitionierte „Head of global IT“ ist verheiratet und hat zwei Söhne.

BILDER

 

 


Andreas Kleedorfer
Andreas Kleedorfer GmbH


Andreas Kleedorfer ist Geschäftsführer der Andreas Kleedorfer GmbH.  
Die Andreas Kleedorfer GmbH ist ein Unternehmen , das sich zu 90% auf Elektoarbeiten und 10% auf Gebäudereinigung konzentriert. Herr Kleedorfer legt sehr viel Wert auf geschultes Personal und bildet daher selbst Lehrlinge aus.
Die Cloud Strategie des Unternehmens ist für Kleedorfer in Zukunft unabhängiger zu werden von starren Produkten ( Programmen) um in der derzeitig angespannten  wirtschaftlichen Lage bestehen zu können.

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Unsere Mitarbeiterzahl bewegt sich zwischen 20 und 25 Mitarbeitern. Sie werden permanent auf elektrotechnische Änderungen (Normen) geschult.
Wir bilden unsere Lehrlinge/Monteure selbst aus, denn dies ist für uns einer der Wege, qualifizierte Facharbeiter zu erhalten.
Unsere Firmenautos sind als Montagewägen eingerichtet, damit bei dringenden Aufträgen bzw. Reparaturen auch das nötige Standardmaterial kurzfristig vorhanden ist.

Unser Motto:

  • Wir setzen auf gut qualifizierte Mitarbeiter
  • Wir gewährleisten eine korrekte Arbeitsweise
  • Unser Tätigkeitsbereich reicht vom privaten Wohnungsumbau bis zur Großbaustelle
  • Wir garantieren Zuverlässigkeit und fachliche Kompetenz
  • Kundenzufriedenheit ist unser oberstes Ziel
  • Wir sorgen für Qualität statt Quantität
  • Durch Kompetenz überzeugen
  • Zufriedenheit schafft Vertrauen

Kurzfilm Andreas Kleedorfer

Kleedorfer auf dem Weg in die Cloud

Wettbewerbsvorteil und weniger Sorgen

Cloud Computing. Wie Kleinunternehmen von der Wolke profitieren.

Mit der digitalen Revolution können nicht nur internationale Konzerne, sondern auch heimische Kleinunternehmen schneller und gezielter produzieren, ihre Dienstleistungen effizienter kommunizieren und administrative Arbeiten besser koordinieren. Eine bedeutende Rolle spielt dabei das Cloud Computing – ein Sammelbegriff für Services und Applikationen rund um die dynamische Bereitstellung und Nutzung von IT-Hardware, -Software und 
-Services übers Internet.

So ergeben sich mit Hilfe der Cloud für moderne, vorausschauende Unternehmen viele Vorteile – für die Weiterentwicklung ihrer Angebote, für Kostenreduktion, Steigerung der eigenen Agilität und Wettbewerbsfähigkeit sowie für die Erfüllung der wachsenden Anforderungen in Bezug auf Innovation, Sicherheit, Flexibilität, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit.

Eines jener Unternehmen, die auf diesen Zug bereits aufgesprungen sind, ist die Andreas Kleedorfer GmbH – ein Familienunternehmen, das sich zu 90 Prozent auf Elektroarbeiten und zu 10 Prozent auf Gebäudereinigung konzentriert (darunter fallen Licht-, Elektro- und EDV-Installationen bzw. -Technik für Kleinbetriebe, aber auch Hausverwaltungen und Wohnungen, inkl. Brandschutz-Installationen).

Gut fürs Business

„Für mich persönlich ist Cloud Computing eine große Erleichterung, da ich mich nicht mehr selbst um alle EDV-Belange kümmern muss“, sagt Geschäftsführer und Eigentümer Andreas Kleedorfer. „Das machen nun andere, die das besser können, und ich kann mich auf meine eigentliche Arbeit als Elektriker und Chef konzentrieren.“

Das Thema Cloud Computing betrifft das Familienunternehmen sowohl bei der Hardware, welche die Mitarbeiter beim Kunden installieren, als auch intern – etwa bei der Auftrags- und Lagerverwaltung, im Bestellwesen oder bei der Archivierung. Kleedorfer: „Ohne EDV sind wir aufgeschmissen“. Denn: Heute braucht jeder Handwerker ein Auftrags- und Zeiterfassungspaket, jeweils unterschiedlich gestaltet. „Auch die Nachvollziehbarkeit ist wesentlich, damit ich auch nach Jahren noch weiß, welche Teile ich bei einem Kunden verbaut habe“, erklärt der Unternehmensleiter und Elektriker.

Warenbestand und Dokumentation

Darüber hinaus sei Cloud Computing inzwischen auch in den Bereichen Warenbestand und Dokumentation unumgänglich, wenn auch ohne eine eigene EDV-Abteilung alles reibungslos funktionieren soll. Kleedorfer: „Beispielsweise haben wir aktuell einen Stand von 1,2 Mio. Artikeln, die wir nahezu monatlich warten müssen. Sinnvoll wäre nun etwa eine Lösung, die direkt mit unserem Großhändler verbunden ist. So etwas gibt es schon, ist aber leider noch nicht leistbar.“

Hinsichtlich Dokumentation meint der Unternehmer: „Früher mussten unsere Mitarbeiter alle Fotos händisch ins Erfassungssystem einfügen, was bei Aufträgen mit mehreren hundert Fotos extrem mühsam war. Jetzt haben die Kollegen Handys mit großen Speicherkapazitäten und wir haben zudem eine nützliche App, wo wir auch Fotos ganz aktuell an Kunden, wie z.B. Hausverwaltungen, schicken können. Das ist im Übrigen ein großer Wettbewerbsvorteil.“

INTERVIEW

„Habe Zugriff auf Lösungen, die ich mir sonst nicht leisten könnte“

Chancenreich. Andreas Kleedorfer, Elektrounternehmer in Wien

Im REDAKTEUR-Gespräch erzählt Andreas Kleedorfer, seit 22 Jahren Leiter des gleichnamigen Elektronunternehmens in Wien, in welchen Bereichen er Cloud Computing bereits einsetzt, was ausschlaggebend für die Service-Qualität ist  und welche Maßnahmen bei neuen Cloud-Projekten getroffen werden.

REDAKTEUR: Warum ist die Cloud für Ihr Unternehmen wichtig?

Andreas Kleedorfer: Cloud Computing bietet generell mehr Flexibilität. Wir erreichen so mehr Unabhängigkeit von starren Produkten oder Programmen – auch, um in der derzeitig angespannten wirtschaftlichen Lage bestehen zu können. Zudem sind mir eine gewisse Beständigkeit bei Softwarelösungen sowie eine hohe Verfügbarkeit wichtig. 100 Prozent ist hier zwar nicht leistbar, aber zumindest 95 Prozent.

Welche Cloud-Services kommen bei Ihnen bereits zum Einsatz?

Im Rechenzentrum haben wir das Hardware-Paket, wir verwenden täglich unser E-Mail Programm und nutzen Cloud-Services für die Zeiterfassung, die Fotodokumentation (primär am Einsatzort) und unsere Buchhaltungssoftware. Das funktioniert sehr gut, weil es oftmals eine schwankende Anzahl von Mitarbeitern gibt und da kann ich mir dann flexible Pakete aussuchen. Als nächstes werden wir mit unserer Buchhaltung komplett in die Cloud gehen, denn die flexible Handhabung bringt mir und meinem Steuerberater entsprechende Vorteile.

Wie gehen Sie mit Bedenken um, die gegenüber der Cloud geäußert werden – etwa im Hinblick auf Datensicherheit?

Sofern etwaige Bedenken Themen wie Daten und Datenschutz betreffen, ist das für mich relativ einfach: Wenn man keine Geheimnisse hat, ist es auch kein Problem, die Cloud zu verwenden. Unsere Server sind ausgelagert und werden sehr streng von unserem IT-Betreuer überwacht. Wir haben auch Daten von Kunden wie Hausverwaltungen, die für uns sehr sensibel zu handhaben sind. Und die liegen nun in einem professionellen und sicheren Datencenter, wo niemand Zugang hat – und die Passwörter kenne nur ich.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter das erforderliche Know-how haben, um auch mit komplexen Cloud Services umgehen zu können?

Unsere Mitarbeiter werden entsprechend informiert und geschult.

Und wie gehen Sie selbst bei neuen Cloud-Projekten vor?

Ich schaue mir zuerst Anbote im Internet an und berate mich dann mit Kollegen und Experten. Die finale Entscheidung treffe ich dann selbst in Abstimmung mit meinem IT-Berater. Immens wichtig finde ich, dass ich als kleiner Unternehmer Zugriff auf perfektere Lösungen habe die ich mir sonst nicht leisten könnte.

Gibt es Wünsche und Anregungen an die IT-Anbieter?

Ich habe beispielsweise für ein mir sehr sinnvoll erscheinendes Software-Paket angefragt, wo es nötig ist Daten sowohl rauszuziehen als auch reinzugeben. Die Nutzung also das Rausziehen von Daten wird genehmigt aber das Reingeben von Daten wird dann meistens nicht zugelassen. Hier ist noch viel Arbeit nötig um das für Klein- und Mittelbetriebe flexibler und bedarfsgerecht zu gestalten.

Bilder

 

 


Selim Karabece
Karabece + Partner Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung GmbH


Selim Karabece ist Geschäftsführer der Karabece & Müller Wirtschaftsprüfungs- und SteuerberatungsGmbH. Der Wirtschaftsprüfer führt ein Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern, mit Sitz in Wien, welches auf KMU Kunden spezialisiert ist.

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Wir sind eine Steuerberatungskanzlei mit den klassischen Leistungen:

Lohnverrechnung, Buchhaltung, Erstellung von Jahresabschlüssen und Steuererklärungen sowie laufender steuerlicher Beratung. 

Das Gesamtteam besteht effektiv aus fünf Partnern (auch wenn diese nicht im Firmenbuch als Gesellschafter aufscheinen) und 13 Mitarbeitern. 

Die Klienten sind aus dem KMU-Bereich; keine besonderen Schwerpunkte – eventuell gemeinnützige Organisationen, Gastronomie.
Wir verstehen uns als Vermittler. Auf der einen Seite steht das komplexe Steuerrecht, das sich stetig ändert, auf der anderen Seite der Unternehmer, der mit diesen Entwicklungen Schritt halten muss. Wir übersetzen die Steuersprache für unsere Kunden. Mit unseren Kunden verbindet uns gegenseitiges Vertrauen, Verlässlichkeit und die Gewissheit, dass auch die nächste Steuererklärung völlig unaufgeregt gelingen wird. Wir kümmern uns um Sie, damit Sie sich um Ihr Unternehmen kümmern können.


Kurzfilm Selim Karabece

Karabece und Partner auf dem Weg in die Cloud

Arbeitserleichterung für Klein- und Mittelbetriebe

Cloud Computing. Wie sich Unternehmer Services aus der Wolke zu Nutze machen.

Der Weg in die Cloud ist für zukunftsorientierte, innovationsbewusste Unternehmen unerlässlich. Doch bei österreichischen Betrieben gehören Cloud Services imVergleich zu anderen EU-Ländern noch viel zu selten zur generellen IT-Strategie.

Nur jeder Achte nutzt die Vorteile von Cloud Computing, um dadurch seine Produktivität und sein Entwicklungspotenzial zu steigern und um sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können. Dabei eröffnet dieser IT-Bereich gerade für die KMU viele neue Chancen.

Entlastung und Flexibilität

Die Karabece + Partner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, eine klassische Kanzlei mit 20 Mitarbeitern, macht sich die Vorteile von Cloud Computing bereits zu Nutze. „Auf Grund unserer Unternehmensgröße blieb der Bereich EDV bzw. IT lange Zeit an mir hängen“, erzählt Haupteigentümer Und -gesellschafter Selim Karabece.

„Als Dienstleistungsunternehmen hat sich unsere EDV in den letzten 20 Jahren entsprechend angereichert. Ich hatte allein an die acht Server, ob das der Haupt- oder E-Mail-Server war oder der Telefon-Server– es gab keinen Überblick mehr. Daraus resultierte letztes Jahr der Wunsch nach Veränderung.“ Das Ziel: Ein verlässlicher Partner,
der einem alle IT-Belan ge abnimmt sowie eine möglichst flache Infrastruktur.

Service für Mitarbeiter und Kunden

Ebenso wichtige Punkte bei der Umstellung der IT-Strategie waren das Thema Flexibilität und wachsende Kapazitäten. Karabece: „In der Umsetzung haben wir eine Mischform gefunden. Einerseits wurden unsere Server in das externe Rechenzentrum verlegt, zugleich läuft alles, was Kommunikation betrifft, über die Cloud. Schließlich haben wir auch noch die Telefonie in die Cloud gegeben.“

Die Ergebnisse kommen nicht nur dem Chef, sondern allen Mitarbeitern und Klienten zugute: Die neue Flexibilität ermöglicht ein ortsungebundenes Arbeiten. Die Klienten können sich Daten daheim oder in der Kanzlei ansehen und dabei die Effizienz der Infrastruktur nutzen. Karabece: „Wir sind zwar Steuerberater, aber zwei Drittel unserer Tätigkeit betreffend Buchhaltung und Lohnverrechnung sind Datenverarbeitung.“

Beschleunigte Arbeitsabläufe

Und hier gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten, so der Unternehmer – etwa beim Thema Schnittstellen oder dabei, die Banken in die Buchhaltung zu integrieren. „Auch die Belegerfassung können wir noch verbessern, damit man nicht alles doppelt und dreifach in die Hand nimmt. Dafür gibt es sicher schon die richtige Software, man muss es nur noch einrichten.“

All diese Arbeitserleichterungen sind in der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei mit professionell outgesourcter Infrastruktur und Cloud Services nun möglich. Wichtige Schritte, denn, so Karabece: „Die IT beschleunigt die Arbeitsabläufe enorm. Wir leisten in der gleichen Zeit eine ganz andere Menge als noch vor ein paar Jahren.“ (red)

Link: www.karabece.at

INTERVIEW

„Wir sind weitaus besser dran als vorher.“

Nur jeder achte Betrieb nutzt in Österreich die Vorteile von Cloud-Services um dadurch seine Entwicklungsmöglichkeiten zu erweiten, die Produktivität zu erhöhen oder Mitarbeitern wie Kunden individuelle Services anbieten zu können und sich so auch Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Die Karabece & Partner Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft, eine klassische Kanzlei mit 20 MitarbeiterInnen, hat nun Cloud-Services in die eigene IT-Strategie inkludiert.

Selim Karabece, Haupteigentümer und Gesellschafter der 20 Mitarbeiter großen Kanzlei, über das Los „Mädchen für alles“ zu sein, über die Umsetzung von Bauchgefühlen als unternehmerische Strategie und über neue Technologien als Akt der Befreiung.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud-Computing?

Karabece: Auf Grund unserer Unternehmensgröße blieben die Bereiche EDV und IT immer an mir hängen. Sozusagen „als Mädchen für Alles“ bin ich zudem auch für unsere Website oder für unseren werblichen Auftritt zuständig. Aus dieser Konstellation heraus ist auch der IT-Betrieb gewachsen. Historisch gesehen fangt man klein an und irgendwann erreicht man eine Größe wo dann auch die Kopfschmerzen größer werden.

Wie ist diese Entwicklung technologisch passiert?

In den letzten 20 Jahren hat sich unsere EDV entsprechend angereichert, ich hatte allein 7-8 Server, ob das der Haupt- oder ein Mail-Server war oder der Telefon-Server – es gab keinen Überblick mehr. Daraus resultierte dann letztes Jahr der Wunsch nach Veränderung.

Wie sollte die neue IT ausschauen, welche Zielvorstellung gab es?

Nach eingehender Analyse mit meinem Schwager war klar, ich brauche was Neues – mit dem Ziel möglichst viel von mir weg zu bekommen, eine Befreiung. Ich wollte einen Partner der mir das alles abnimmt, auch hardwaremässig und zudem wollte ich hier in der Kanzlei nichts damit zu tun haben. Ziel war eine möglichst flache Infrastruktur, die sich auf die Clients und auf die Leitungen und etwaig auch einen Router beschränken. Ein wichtiger Punkt war zudem das Thema Flexibilität, wenn wir wachsen möchte ich nicht jedes Mal denken müssen: brauche ich neue Kapazitäten.

Welche Cloud-Services kommen in Ihrem Unternehmen bereits zum Einsatz?

Mein primärer Zugang war aber hier eher eine Art Bauchgefühl, mir hat das von der Idee her sehr gut gefallen und dass das auch ein zukunftsweisender Weg sein wird. Ich wollte hier möglichst früh auf diesen Zug aufspringen. In der Umsetzung haben wir dann eine Mischform gefunden und einerseits die eigenen Server in das externe Rechenzentrum verlegt aber bereits alles was Kommunikation betrifft läuft über die Cloud. Bedingt durch die parallel wichtige Beratung habe ich dann aber auch Dinge wie die Telefonie in die Cloud gegeben.

Ist es für Sie wichtig Arbeitsplätze hier aber auch an anderen Standorten zu haben, Stichwort Flexibilität?

Natürlich ist es wichtig nicht nur ortsgebunden zu sein. Ich wollte etwa auch meinen MitarbeiterInnen Flexibiliät ermöglichen indem sie beispielsweise auch von zu Haus aus arbeiten können. Mit der neuen Cloud-Lösung lässt sich das nun leicht realisieren, auch für mich. Der zweite Bereich betrifft meine Klienten, die sind daran interessiert bei mir auch Daten anzuschauen oder bei mir zu arbeiten mit meiner Infrastruktur. In Summe ist das eine gute Mischung, meine Mitarbeiter, meine Klienten und ich können sowohl hier als auch zu Hause arbeiten.

Gibt es noch weitere Erkenntnisse nach der Umstellung auf Cloud-Services?

Die Kombination von professionell outgesourcter IT-Infrastruktur plus Cloud-Services ist ein Wettbewerbsvorteil meinen Klienten gegenüber - wenn Bedarf da ist, brauch ich nicht lange nachzudenken sondern kann sofort liefern. Generell ist die IT unser Hauptwerkzeug, ohne IT können wir nicht mehr arbeiten sondern sofort nach Hause gehen. Entsprechend wichtig ist mir in diesem Zusammenhang auch der Faktor Qualität, ob das jetzt meine Server betrifft oder nun meine neue Cloud-Lösung. Meine Sicherheit ist entsprechend groß, dass ich nun immer am letzten Stand bin.

Was ist Ihnen bei Sicherheit wichtig?

Für mich heißt Sicherheit, ich darf nicht stehen! Ob das jetzt ein Update betrifft oder die Bereitschaft eines Servers, ich muss weitermachen können. Das ist ein Hauptaspekt...

... und was die Datensicherheit betrifft?

... ich persönlich bin da nicht so streng aber beruflich bedingt muss und bin ich auch sehr streng. Die Daten liegen jetzt auch auf einem Server in einem Rechenzentrum in einer Qualität die ich hier nie, nie haben konnte. Das fängt schon bei den räumlichen Voraussetzungen an, bei Themen wie Temperatur oder eben bei Sicherheits-Updates. Ich kann nun ruhigen Gewissens sagen, wir sind weitaus besser dran bin als vorher.

Betrifft das alle Bereiche?

Das betrifft auch unsere Kommunikationslösungen, unser vorher hier befindlicher Mail-Server war sich viel angreifbarer als der jetzt benützte. Es findet hier überall eine Spezialisierung statt, für die wir selbst nie das Fachwissen und die Zeit hätten.

Welche Entwicklungen erwarten Sie bei Cloud-Computing, sowohl technisch als auch organisatorisch?

Mir fehlt da jetzt die Vorstellung wohin es noch gehen kann. Wenn ich die Arbeitsabläufe in den frühen 1980er-Jahren mit heute vergleiche und die immense Beschleunigung sehe, dann muss ich ehrlicherweise sagen, es wäre mir Recht wenn auf die Bremse gestiegen würde. Wenn wir dieses Tempo weitermachen, dann wird es uns zerreißen. En bisschen philosophisch ausgedrückt: die Erde dreht sich massiv schneller als in den letzten 25 Jahren.

Kommen wir zum Thema Integration, auch in Bezug auf die Anbindung zu den Finanzbehörden oder zu den Banksystemen.

Hier wird mittlerweile vieles online gemacht was eine unglaubliche Arbeitserleichterung ist. Ich drücke auf den Knopf und die Steuererklärung ist weg. Aber auch da denke ich, man stößt an die Grenzen bezüglich Effizienz und Produktivität.
Sie haben aber auch ein sehr klassisches Erwerbsmodell,  bekommen Zahlenmaterial vom Kunden, welches Sie nach einem ganz strikten und gesetzlich geregelten Schema behandeln und geben das dann ab.     
Wir sind zwar Steuerberater aber 2/3 unserer Tätigkeit was Buchhaltung und Lohnverrechnung betrifft, ist Datenverarbeitung. Hierbei gibt es noch Optimierungsmöglichkeiten, da ist noch einiges möglich, etwa beim Thema Schnittstellen oder Banken in die Buchhaltung zu integrieren. Oder auch das Thema Belegerfassung damit man Dokumente nicht doppelt oder dreifach erfasst, jedes mal mit den gleichen Handgriffen. Das muss sich sicher noch entwickeln und das ist ein Software-Thema. Vieles ist wahrscheinlich schon vorhanden, man muss sich die Zeit nehmen und das einrichten.

Gibt es Wünsche und Anregungen an die IT-Anbieter?

Die IT beschleunigt die Arbeitsabläufe derart, wir leisten in der gleichen Zeit eine ganz andere Menge als noch vor ein paar Jahren. Ich hoffe man steigt hier auf die Bremse, dass auch die Anbieter hier etwas Ruhe geben und uns ein bissel ausschnaufen lassen. Sonst – ich weiß nicht ob es noch ein schnelleres Tempo gibt. Umgemünzt auf eine Steuererklärung, ob die statt in 5 Minuten dann in 5 Sekunden möglich ist.

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Andreas Kranabitl
CIO SPAR


Andreas Kranabitl ist Managing Director SPAR Business Services GmbH und trägt die Verantwortung für mehr als 380 Mitarbeitern und ca. 85 Millionen Euro IT Budget, 25.000 Devices, 1,7 Petabytes Storage, eine länderübergreifende IT-Organisation über sechs Länder sowie die unternehmensübergreifenden IT-Service für neun Länder.

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ICS is a group-wide assessed shared service center of SPAR Austria Group and is rated as a lighthouse project for strategic international collaboration, development and responsibility.


Kurzfilm Andreas Kranabitl

SPAR auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie von SPAR

oder

Wie der Retail-Bereich von der Wolke profitiert

Cloud-Technologie ist in der heutigen Businesswelt ein Game-Changer, der alles verändert. Nur Unternehmen, welche die damit verbundenen neuen Möglichkeiten zu nutzen wissen, werden am Markt bestehen. In international agierenden Handelskonzernen wie SPAR stehen insbesondere die Bereiche Big Data und Digital Marketing vor neuen Herausforderungen. Verantwortlich für alle IT-Leistungen im SPAR Konzern sowie für die strategische Führung der IT-Organisation ist die Information and Communication Services Gesellschaft (ICS) mit Andreas Kranabitl an der Spitze. Und dieser bestätigt: „Im Retail-Bereich wird Cloud Computing ein zunehmend wichtiges Element der generellen IT-Strategie“.

Durch die digitale Revolution und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten in fast allen Businessbereichen verändern sich auch die Anforderungen an die Informationstechnologie dramatisch. Standen vor wenigen Jahren noch Themen wie die Beherrschung und Modernisierung der Technologie sowie Harmonisierungs- und Konsolidierungsüberlegungen im Vordergrund, verlangen heute komplexere Märkte rasches, oft globales Agieren. Die Fachbereiche in einem Konzern unterliegen dem stetigen Druck, in immer kürzeren Abständen neue Innovationen in die Märkte zu bringen, und werden so zu einem bestimmenden Treiber des IT-Business.
Entscheidend ist daher nicht mehr, „nur“ die Infrastruktur zur Unterstützung von Geschäftsprozessen bereitzustellen, sondern auch bereichsübergreifend Projekte und neue Lösungen rasch bereitzustellen. In dieser Transformation gilt es, intern wie extern neue Herausforderungen zu bewältigen: verändertes Mindset, erweiterte Skills, neue Best Practices, adaptierte IT-Organisationen sowie neue Zusammenarbeitsmodelle mit außenstehenden Dienstleistern und Cloud-Service-Providern. Zudem müssen die IT-Entscheidungsträger die Basisinfrastruktur immer kostengünstiger bereitstellen und nehmen vermehrt die Rolle des Business-Innovators ein.
Vor diesem Hintergrund agiert das österreichische Handelsunternehmen SPAR besonders innovativ und vorausschauend im Hinblick auf seine IT-Strategie – im Bewusstsein um die aktuelle digitale Revolution, die den globalen Markt jetzt schon nachhaltig verändert. SPAR, das im Vorjahr 60 erfolgreiche Jahre im Einzelhandel feierte, stellt sich nämlich schon seit längerem proaktiv den Herausforderungen, die auf IT-Ebene vor allem durch Big Data gegeben und noch zu erwarten sind. Denn: Der Retail-Bereich ist mehr denn je von stark steigenden Datenfluten betroffen und gleichzeitig auf kurzfristige Echtzeit-Analysen eben dieser Daten für diverse strategische Geschäftsentscheidungen angewiesen. Je rascher also Daten analysiert werden, desto besser fürs Geschäft. Im Handel heißt dies, etwa durch die Übermittlung von Kassenbon-Daten die Produktumsätze in den Filialen in Echtzeit bewerten und nachfolgende Prozesse auslösen zu können.

Herausragende Bedeutung neuer Cloud-Technologien

SPAR Österreich besitzt für die Landesgesellschaft sowie angegliederte Auslandstöchter seit 2009 ein eigenes IT-Unternehmen. Die Spar Austria Information and Communication Services Gesellschaft (ICS) wird von CIO Andreas Kranabitl geführt und erbringt IT- und Kommunikationsleistungen für Österreich, Italien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und Kroatien. Den Grund für diese Fokussierung bringt Kranabitl auf den Punkt: „Nichts ist teurer als eine Infrastruktur, die die Geschäftsanforderungen nicht erfüllt. Wer Investitionen in ein zukunftsweisendes System scheut, wird langfristig Probleme beim Geschäftsbetrieb bekommen.“
CIO Kranabitl und sein Team setzen bei ICS schon seit Jahren auch die Vorteile von Cloud Computing erfolgreich um – nicht nur als Weiterentwicklung der Bereitstellung von IT-basierten Lösungen, sondern auch, um Kosten zu reduzieren, die eigene Agilität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Anforderungen in Bezug auf Innovation, Sicherheit, Flexibilität, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit besser zu erfüllen. Immerhin besteht das ICS-Team aus mittlerweile rund 350 Mitarbeitern, die für ca. 10.000 User in neun Ländern arbeiten und pro Jahr mehr als 200 IT-Projekte abwickeln. SPAR CIO Kranabitl: „Cloud Computing ist eine Möglichkeit, IT Services zur Verfügung zu stellen bzw. zu nutzen. Wir verwenden eine Enterprise Collaboration aus der Cloud, ein Mobile Device. In einer Private Cloud Architektur betreiben wir verschiedene ERP und Business Lösungen für unsere internationalen Gesellschaften und Partner aus unseren zentralen Rechenzentren in Salzburg. Damit erreichen wir kurze Reaktionszeiten auf Business-Anforderungen, viele Synergieeffekte und letztendlich eine beachtliche Effizienz. Daneben beziehen wir Public Cloud Services für Business-Lösungen wie etwa die Validierung oder Beladung von Gutscheinen oder EDI Services. Cloud ist also nichts Neues und auch nichts Seltsames, sondern Bestandteil unseres IT Portfolios. Mit unserer Cloud-Kompetenz und der bereitstehenden Infrastruktur können wir schnell neue Services aufsetzten.“

Digital Marketing als „customer journey“

Nicht zuletzt im Bereich Digital Marketing bzw. E-Commerce spielt Cloud Computing bei Spar eine entscheidende Rolle: „Der Konsument ist mit uns immer mehr digital verbunden“, erklärt er CIO, „wir wollen unseren Kunden Systeme bereit stellen, die wirklich helfen, besser zu leben, bequemer und einfacher einzukaufen sowie auch neue Funktionen zur Verfügung stellen – etwa Zeitmanagement.“ Kranabitl definiert Digital Marketing auch als „customer journey“, was u.a. folgende Fragen beinhaltet: „Wie kommen die Kunden zu uns, wie agieren sie mit unseren Waren, worauf sprechen sie an?“ Betrachtet man diese „customer journey“ aus der Perspektive der IT, dann könne man nur punkten, „indem man die vier Bereiche wie Mobile beim Konsumenten, Big Data in der Analyse des Einkaufsverhaltens, Social Media und am Ende die Cloud sinnvoll verschränkt und nutzt“.
In diesem Zusammenhang rüstet Kranabitl und sein IT-Team derzeit in einem wegweisenden neuen Projekt unterschiedliche Bereiche des Unternehmens mit einer mächtigen Datenbank- und Analyse-Plattform aus. Die Vorteile der eingesetzten Technologie seien vor allem die Schnelligkeit und Flexibilität, proaktiv auf Kundenanforderungen, Trends und Bewegungen im Verkauf und auf Kundenverhalten reagieren zu können. Für SPAR sind dies klare Wettbewerbsvorteile. Kranabitl: „In der Wirtschaft haben heute jene Unternehmen die Nase vorne, die rasch Veränderungen erkennen und flexibel agieren können. Wir hätten spätestens Ende 2014 viel Geld in unser altes Businesswarehouse investieren müssen. Da war es naheliegend, gleich auf eine zukunftsorientierte Lösung zu setzen.“ Gesucht – und gefunden – wurde ein zuverlässiger Partner mit viel Erfahrung. „Wir haben uns entschlossen, die IT-Systeme nicht selbst zu betreiben“, so Kranabitl, „wir wollten aber auch nicht komplett outsoucen“. Also ging ICS eine Partnerschaft mit externen Spezialisten im eigenen Rechenzentrumsbetrieb ein. Mit Hilfe einer Unified Compute Platform sollen künftig die großen Datenmengen optimal gehandhabt werden, eine Converged-Scale-Out-Lösung soll die Zukunftssicherheit der IT-Architektur bei Spar gewährleisten. Beim externen Enterprise-Storage garantiert ein High-End-Speicher neben der Erfüllung eines klassischen Rechenzentrums wie Backups auch typische Anforderungen wie Performance, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit – inklusive Hochverfügbarkeit und lückenlosem Betrieb. So kann das Handelsunternehmen die Vision von „Realtime Retail“ bereits heute realisieren. In Echtzeit wird mit Filialen und Mitarbeitern kommuniziert, um etwa rasch zu erkennen, wann bestimmte Waren ausverkauft sind. Ein typisches Szenario: Die Kassensysteme liefen Informationen an ein zentrales System. Daraus werden Analysen im Zehn-Minuten-Takt generiert. Wenn bei Produkten plötzlich starke Abweichungen in der Verkaufsfrequenz auftreten, kann darauf sofort reagiert werden. Wird in einer größeren Filiale z.B. ein halbe Stunde lang keine Milch verkauft, muss möglicherweise das Kühlregal nachgefüllt werden. Die Shopmitarbeiter bekommen dann entsprechende Nachrichten übermittelt. Mit der Datenanalyse sollen künftig auch Erkenntnisse über das Kaufverhalten der Kunden für Vertrieb und Marketing gewonnen werden. Kranabitl: „Den Kollegen in den Fachbereichen gefällt die Lösung. Wichtig ist aber, dass wir stets auch einen Rückhalt seitens unserer Geschäftsführung haben.“

Neue Kompetenzen der Mitarbeiter

Eine umfassende Unterstützung vom Vorstand gibt es auch in Sachen Aus- und Weiterbildung der IT-Mitarbeiter. Schließlich muss hier jeder immer am neuesten Stand sein – insbesondere bei dynamischen Technologien wie Cloud Computing. „Leider neigen wir in Österreich dazu, das Neue zuerst kritisch zu bewerten und die Probleme in den Vordergrund zu stellen. Das kann man bei Cloud und Big Data gut beobachten“, sagt Andreas Kranabitl. Die Aufgabe eines CIO sei es, diese neuen Themen ganzheitlich zu analysieren und auch die Chancen und Nutzen zu bewerten. „Dabei ist im Hinblick auf den Wettbewerb auch wichtig einzuschätzen, was passiert, wenn man Trends nicht folgt. Denn es steht fest: 90 Prozent der heutigen Cloud-Lösungen werden von professionellen, seriösen und stabilen Firmen angeboten. Wie in jeder Branche gibt es auch hier ein Risikopotenzial.“
Gerade in Österreich ist es daher wichtig, die vielfältigen Nutzen von Cloud Computing insbesondere für den Mittelstand zu verdeutlichen und sicher zu stellen. „Sonst sind wir in zehn Jahren in der Steinzeit“, so Kranabitl. „Mein Standpunkt heute ist, dass es viele Anwendungsfälle gibt, die mit Cloud Computing perfekt umgesetzt werden können und wo die Risiken überschaubar sind. In jedem Fall sind sie nicht wirklich größer als mit anderen Architekturen.“
Viele Dinge wird man nach Meinung des Experten ohne Cloud-Architektur künftig nicht machen können. Deshalb sind heute schon Kompetenzen erforderlich, um die richtigen Entscheidungen zu treffen und das Thema im Unternehmen professionell darzustellen. Kranabitl: „Da Cloud Computing stark die Bereiche Infrastruktur und Betrieb adressiert, benötigen wir Architekten, die das gesamte Cloud-Environment überblicken und ebenso Nutzen wie Risiken einschätzen können. Cloud-Kompetenzen werden bei uns mittelfristig Storage, Server und Betriebssystem-Know-how ersetzen.“ Neben den eigenen Mitarbeitern müssen aber auch die Geschäftspartner reif für Cloud Computing sein. „Auch hier gibt es in Österreich Handlungsbedarf, weil viele traditionelle IT-Unternehmen  das Thema noch nicht richtig verstehen oder noch nicht oben auf ihrer Prioritätenliste haben.“

INTERVIEW

„Innovatives Retail-Business ohne Cloud-Services ist unmöglich.“

Das österreichische Handelsunternehmen SPAR feierte im Vorjahr 60 erfolgreiche Jahre im Einzelhandel. Gleichzeitig stellt sich das Unternehmen vorausschauend den Herausforderungen, die auf IT-Ebene vor allem durch Big Data zu erwarten sind. Denn der Retail-Bereich sieht sich zunehmend mit stark steigenden Datenfluten konfrontiert und ist gleichzeitig auf kurzfristige Echtzeit-Analysen eben dieser Daten für diverse strategische Geschäftsentscheidungen angewiesen. In Bereichen wie diesen wird Cloud Computing ein immer wichtigeres Element der generellen IT-Strategie. KURIER sprach mit Andreas Kranabitl, dem Geschäftsführer der ICS (der IT-Gesellschaft der SPAR Österreichischen Warenhandels AG) und hier verantwortlich für alle IT-Leistungen im SPAR Konzern sowie für die strategische Führung der IT-Organisation. Mit der ICS und den rund 350 Mitarbeitern arbeitet Kranabitl und sein Team für ca. 10.000 User in neun Ländern und wickelt pro Jahr mehr als 200 IT-Projekte ab.

KURIER: In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Andreas Kranabitl: Wir beschäftigen uns schon seit etlichen Jahren mit dem Thema, seit es in die IT gekommen ist. Cloud Computing muss heute Bestandteil einer jeden IT Strategie sein. In unserem Haus wird es bei allen Entscheidungen und strategischen Ausrichtungen eingebunden. Wir haben seit langem schon Cloud-Services im Einsatz. Zunächst im Bereich EDI (Datenausstausch), dann beim Zahlungsverkehr sowie Gutscheinkarten, wo die ganze Validierung über Cloud-Services abgewickelt wird. Neuerdings auch im Bereich Fuhrparksteuerung und -Planung. In all diesen Entscheidungsprozessen ist hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit immer auch unsere Rechtsabteilung eingebunden, darüber hinaus auch der Vorstand. Somit ist die Clöoud für mich ein fixer Bestandteil der IT-Architektur und in Zukunft werden wir noch stärker in diese Richtung gehen müssen, wenn wir zeitgemäße und zukunftsorientierte Lösungen einsetzen wollen.

Warum spielt Cloud Computing gerade im Handel eine zunehmend wichtige Rolle?

Innovatives Retail-Business ohne Cloud-Services ist unmöglich. Wir befinden uns in einer Digital Business Transformation und wenn wir in sechs Jahren nicht in der Steinzeit sein wollen, dann müssen wir uns diesem Wettbewerb stellen und uns mit neuen Technologien und Modellen wie Cloud Computing auseinandersetzen. Die Cloud ist für mich ein „must have“, denn viele Dinge werde ich ohne Cloud nicht umsetzen können. Das betrifft z.B. den Bereich Social Media oder Digital Marketing – hier sehe ich einen Schwerpunkt in den nächsten fünf Jahren. Und 80 Prozent der Lösungen werden in einem Cloud-Umfeld angeboten. Auch die Anforderungen aus dem Marketing sind im Vergleich zum klassischen IT-Bereich ganz neu, hier geht es auch um das Thema „time to market“. Speziell im Marketing und E-Commerce ist der Lebenszyklus einer Lösung ein anderer als etwa im ERP-Bereich.

Warum ist Digital Marketing für einen an sich traditionellen Handelskonzern so entscheidend?

Digital Marketing ist aus zweierlei Hinsicht entscheidend: Der Konsument ist mit uns immer mehr digital verbunden. Hier haben wir etwa das Thema „the system is my friend“ aufgebracht. Das bedeutet, wir möchten Systeme für unseren Kunden bereit stellen, die wirklich helfen, besser zu leben, bequemer und einfacher einzukaufen sowie auch neue Funktionen zur Verfügung stellen – Stichwort Zeitmanagement. Die zweite Perspektive sind neue Unternehmensformen, die uns Konkurrenz machen. Der Wettbewerb ist ein komplett anderer geworden, wir reden immer stärker von E-Commerce. Hier sind wir mit Unternehmen konfrontiert, die aus heutiger Sicht noch außerhalb unserer Vorstellungen sind und darauf muss man Antworten bereit haben.
Wir definieren Digital Marketing auch als „customer journey“ – also wie kommen die Kunden zu uns, wie agieren sie mit unseren Waren, worauf sprechen sie an. Betrachtet man diese „customer journey“ aus der Perspektive der IT, dann kann ich nur punkten, indem ich die vier Bereiche wie Mobile beim Konsumenten, Big Data in der Analyse des Einkaufsverhaltens, Social Media und am Ende die Cloud sinnvoll verschränke und nutze.

Haben Sie für Ihr Unternehmen bereits eine Cloud Strategie für die nächsten drei Jahre entwickelt?

Die Cloud Strategie unseres Unternehmens ist, Cloud Services intern konsequent auszubauen und innovative Cloud Services für unser Retail-Geschäft zu nutzen. Bestehende Systeme und Daten bleiben aber auf den existierenden Architekturen, weil wir hier noch keinen essentiellen Vorteil erkennen bzw. uns auf neue Lösungen konzentrieren.

Welche Cloud kommt in Ihrem Unternehmen bereits zum Einsatz?

Wir verwenden eine Enterprise Collaboration aus der Cloud, ein Mobile Device. In einer Private Cloud Architektur betreiben wir verschiedene ERP und Business Lösungen für unsere internationalen Gesellschaften und Partner aus unseren zentralen Rechenzentren in Salzburg. Damit erreichen wir kurze Reaktionszeiten auf Business Anforderungen, viele Synergieeffekte und letztendlich eine beachtliche Effizienz. Wir nutzen Dienstleistungen diverser Anbieter, die wir durch unsere Systeme am POS zum Kunden bringen. Mit unserer Cloud Kompetenz und der bereitstehenden Infrastruktur können wir schnell neue Services aufsetzten.

Wie gehen Sie mit den Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Gerade in Österreich neigen wir dazu, das Neue zuerst kritisch zu bewerten und die Probleme in den Vordergrund zu stellen. Das kann man bei Cloud und Big Data gut beobachten. Die Aufgabe eines CIO ist, diese neuen Themen ganzheitlich zu analysieren und auch die Chancen und Nutzen zu bewerten. Dabei ist im Hinblick auf den Wettbewerb auch wichtig einzuschätzen, was passiert, wenn man Trends nicht folgt. Fest steht jedenfalls: 90 Prozent der heutigen Cloud Lösungen werden von professionellen, seriösen und stabilen Firmen angeboten. Wie in jeder Branche gibt es auch hier ein Risikopotenzial. Ein Dilemma von Cloud Computing ist, dass alle sofort daran denken, ihre Unternehmensdaten in fremde, unsichere Hände zu geben. Dabei verkaufen viele Outsourcer ihre alten Lösungen jetzt eben als Cloud Services.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?

Unsere interne Policy dazu lautet, dass Cloud Lösungen nicht nur von der IT, sondern auch von der Rechtsabteilung freigegeben werden müssen. Damit ist klar, dass Cloud Services einer besonderen Prüfung unterliegen und nicht ohne weiteres aufgeschaltet werden. Aber auch, dass sich das Business nach der Freigabe darauf verlassen kann, dass die jeweilige Cloud Lösung umfassend passt.

Wie stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter das erforderliche Know-how haben um mit Cloud Computing umgehen zu können?

Für uns ist Cloud Computing nichts seltsames oder außerirdisches. Professionelle Auswahlprozesse, Vertragsmanagement, Lieferantenmanagement, Compliance, AGB, SLA, Risikomanagement – das sind Themen, die für alle IT-Lösungen abzudecken sind. Cloud Lösungen sind eine von mehreren Varianten, die wir hier in unseren Standardprozessen und mit unseren Experten abdecken. Selbstverständlich berücksichtigen wir neue Entwicklungen in unseren Ausbildungsprogrammen und Entwicklungszielen.

Welches Anforderungsprofil braucht Ihrer Meinung nach ein neuer Mitarbeiter im IT-Bereich, damit er mit den zukünftigen Anforderungen gut umgehen kann?

Cloud Computing adressiert stark die Bereiche Infrastruktur und Betrieb. Hier brauchen wir Architekten, die das gesamte Cloud Environment überblicken und Nutzen und Risiken überschauen. Cloud-Kompetenzen werden bei uns mittelfristig Storage-, Server- und Betriebssystem-Know-how ersetzen. Daher müssen neben den eigenen Mitarbeitern auch unsere Partner reif für Cloud Computing sein. Hier gibt es in Österreich Handlungsbedarf, weil viele traditionelle IT-Unternehmen  das Thema noch nicht richtig verstehen oder noch nicht oben auf der Prioritätenliste haben.

Wie prüfen Sie die ausreichende Qualität eines potenziellen Cloud Services?

Wir haben einen Standardprozess für die Auswahl von Lösungen und Services etabliert, der auch Cloud-Lösungen abdeckt. Diese werden immer stärker angeboten – es gibt kaum ein Projekt, in dem nicht mindestens eine Cloud-Alternative vorkommt.

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Peter Garlock
CIO Österreichische Post


Dr. Peter Garlock ist seit Januar 2014 Leiter der Konzern-IT der Österreichischen Post. Er bringt umfassende internationale Erfahrung im IT-Management, in der Transformation von Geschäftsbereichen und der Steuerung komplexer Projekte mit.

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Nach dem Studienabschluss an der Universität Graz arbeitete der promovierte Maschinenbautechniker 16 Jahre bei IBM. Unter anderem war er in Deutschland für den Vertrieb bei Großkunden zuständig, er gründete 2004 mit Blue IT Services, ein IBM Tochterunternehmen für das Outsourcing von IT Dienstleistungen in Mittel- und Osteuropa, übernahm 2007 in Österreich die Position des Vertriebsdirektors für namhafte Großkunden aus der Industrie, Telekommunikation und Handel und war seit 2011 für den Aufbau des Unternehmensbereichs Cloud Computing verantwortlich. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Ausrichtung der neu aufgestellten Konzern IT und der Digitalen Business Transformation der Österreichischen Post AG.


Kurzfilm Peter Garlock

Die Post AG auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie der Post AG

Für international agierende Unternehmen werden Cloud-Lösungen zu einer zunehmend wichtigen Komponente der generellen IT-Strategie. Bei der Österreichischen Post AG, die mit bereits 55 Firmen in 13 Ländern aktiv ist und  24.000 Mitarbeiter beschäftigt, ermöglicht der gezielte Einsatz von Cloud Computing agilere und flexiblere Infrastrukturen und damit auch eine Beschleunigung des Go to Market für neue Geschäftsideen. Dabei werden mithilfe einer Cloud-Policy und eines Cloud-Competence-Centers bei jeder neuen IT-Herausforderung relevante Cloud-Ansätze geprüft und im Hinblick auf die Nutzlast getestet. Danach wählen CIO Peter Garlock und sein IT-Team die aktuell bestmögliche Umsetzung.
Durch die zunehmende Digitalisierung verändert sich die Geschäftswelt weiterhin rasant. Die Informationstechnik ist hier einer der Haupttreiber für Innovationen, die nicht nur branchen-, sondern auch abteilungsübergreifend innerhalb eines Unternehmens stattfinden. Neue IT-Ansätze wie Cloud Computing, Big Data, Social Media und Mobilität liefern der Organisation jedenfalls strategische Mehrwerte – zu geringeren Kosten als bisher und umfassender als es einem Unternehmen im Alleingang möglich wäre. Dementsprechend stehen vor allen die IT-Verantwortlichen immer mehr unter der Anforderung, mit weniger Mitteln und Manpower mehr zu erreichen – und dies möglichst auch noch in kürzester Zeit. Dies erfordert neue Lösungen, um einen höheren strategischen Nutzen zu generieren und dabei gleichzeitig die Kosten zu senken oder zumindest angesichts zunehmender Komplexität und Internationalisierung im Rahmen zu halten. Aus diesen Gründen ist Cloud Computing heute schon überall zu finden. Zwar greifen noch wenige Unternehmen in umfangreicher Weise auf Services aus der Wolke zu, die meisten prüfen aber bereits, wo der Einsatz dieser neuen, dynamischen Technologie angesichts der eigenen Anforderungen und Pläne künftig sinnvoll wäre. Die Erwartungen sind hoch – die Cloud verspricht größere Flexibilität und niedrigere Kosten. Aber es gibt auch Bedenken: Sind meine Daten wirklich sicher? Kann ich wirklich Geld mit Cloud Computing sparen, meinen Kunden und Geschäftspartnern effektivere Services anbieten oder gar generell neue Geschäftsfelder eröffnen? Zudem nimmt das Tempo der Veränderung stetig zu – die Möglichkeiten, Dienstleister und Technologien vervielfältigen sich. Um das Beste aus den neuen IT-Möglichkeiten herauszuholen, mit den Veränderungen Schritt zu halten und die Cloud in die konzerneigene IT-Strategie ideal zu implementieren, braucht es fachkundige, innovationsbewusste IT-Manager, die den Blick für das große Ganze haben und offen für neue Methoden und Möglichkeiten sind.

Mehr Flexibilität und Agilität bei IT-Lösungen

Die Österreichische Post AG befindet sich gerade auf diesem Weg der digitalen Business-Transformation, wobei Cloud Computing eine wesentliche Komponente darstellt, bestätigt CIO Peter Garlock, der für die gesamte Konzern IT und somit auch für die Erstellung der IT-Strategie verantwortlich ist. „Mithilfe von Cloud-Services sind wir in der Lage, flexibel auf Anforderungen zu reagieren und zudem wesentlich agiler Lösungen zu produzieren.“ So wurde bei der Österreichischen Post etwa die Collaboration im Unternehmen bereits Cloud-basierend aufgebaut. Ebenso läuft das Mobile Device Management für die MobileFirst-Strategie in einer Cloud. Und auch der Betrieb einiger Business Prozesse wird auf Kundenwunsch über eine Infrastruktur-Cloud abgewickelt.
Die Motivation für den künftig noch vermehrten Einsatz von Cloud Computing bringt CIO Garlock auf den Punkt: „Das Business möchte agile und flexible Infrastrukturen. Mit der Cloud beschleunigen wir das Go to Market für unsere Geschäftsideen.“ Und das geschieht auch jenseits der Grenzen, denn: Die Österreichische Post ist heute ein international agierender Konzern in 13 Ländern, mit 55 Firmen und 24.000 Mitarbeitern. Die wichtigsten Länder sind hier neben Österreich vor allem Deutschland und die Türkei, der Geschäftsschwerpunkt liegt bei Brief-, Paketlogistik und Online Innovationen. Garlock: „Da wir in allen Ländern, wo wir aktiv sind, IT-Leistungen haben, ist es für uns normal, dass dort bzw. in der EU auch die Daten untergebracht sind. Diese Internationalität wird durch Cloud-Services unterstützt.“ Allerdings gehen hier der CIO und sein IT-Team sehr selektiv vor, „schließlich steht die Österreichische Post auch für das Briefgeheimnis“. Daher werden z. B. Adressdaten nicht in die Cloud ausgelagert.
Damit alle IT-Mitarbeiter nach gleichen Richtlinien vorgehen und auch die Fachabteilungen einen Überblick haben, wurde konzernintern eine Cloud-Policy erarbeitet. Im Zuge der Erstellung hat der IT-Manager auch eine Klassifizierung von Dokumenten eingeführt: „Dokumente, die nicht für die Cloud gedacht sind, landen auch nicht dort. Wir differenzieren genau, was wir in die Cloud geben und was nicht“, so Garlock. Die gesamte Cloud-Strategie basiert auf den generellen Datenschutzrichtlinien der Österreichischen Post und wurde ebenso mit dem Risikodenken innerhalb des Konzerns in Einklang gebracht wie auch mit Werten wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Sicherheit. Darüber hinaus wird anlässlich jeder neuen IT-Herausforderung anhand der Cloud-Policy überlegt, welche technischen Rahmenbedingungen ein Service aus der Cloud haben muss. So wird in einem längeren Prozess beispielsweise die Nutzlast getestet. „Garlock: „Danach entscheiden wir uns – je nach Bereich oder Projekt  – für oder gegen eine Cloud-Lösung“. Im Rahmen eines Anforderungskonzeptes werden auch die SLA und Qualitätsansprüche festgelegt, die übrigens unabhängig davon sind, ob das Service aus der Cloud kommt oder nicht. Die Service-Anforderungen sind in der Hostingpolicy und den AGBs festgelegt.

Cloud-Policy mit kompetenten Mitarbeitern

Für den gezielten Einsatz und folglich die optimale Anwendung von Cloud Computing braucht es nicht zuletzt kompetente IT-Mitarbeiter. Zum Anforderungsprofil meint Peter Garlock: „Wir suchen Mitarbeiter für alle IT Bereiche, Projektmanager, Entwickler, SLA- und Service Manager.“ Um neue Mitarbeiter in den erfahrenen Teams bestmöglich zu integrieren und um neue Ideen mit bewährten Methoden sinnvoll zu kombinieren, baut die Österreichische Post AG derzeit ein Cloud-Competence-Center auf. Hier soll u.a. das Know-how zu allen möglichen Cloud-Diensten gebündelt werden. Dabei kann es sich um Rechendienste, Transaktionen, Dokumentenverarbeitung, unkritische Datenbankanwendungen, E-Mail-Services oder einfache Verwaltungs-Aufgaben handeln.
Wo dann tatsächlich eine Anwendung innerhalb des Konzerns angedacht wird, entscheiden die Experten jeweils in Anlehnung an die Cloud-Policy. Fest steht: Mit dem rapide wachsenden Datenvolumen steigen bei der Österreichischen Post AG nicht zuletzt die Anforderungen an Datenanalyse- und Reportingsysteme – vor allem hinsichtlich Flexibilität und Echtzeit-Fähigkeit. Der Hauptbedarf besteht hier darin, die Geschäftsprozesse (Business Warehouse-Themen) sowie Reportings und deren Verarbeitung zu beschleunigen.

INTERVIEW

„Das Business möchte agile und flexible Infrastrukturen“

Auf dem Weg der digitalen Business-Transformation ist Cloud Computing eine wesentliche Komponente in innovativen, zukunftsorientierten Unternehmen. So spielt die Cloud auch in der Österreichischen Post AG, die mittlerweile in 13 Ländern mit 55 Firmen aktiv ist und 24.000 Mitarbeiter hat, eine zentrale Rolle in der IT-Strategie. Im Kurier-Interview erzählt Peter Garlock, als CIO für die gesamte Konzern IT verantwortlich, in welchen Bereichen Cloud-Services bereits eingesetzt werden, wie deren Qualität geprüft wird und warum die Österreichische Post AG neuerdings begonnen hat, ein Cloud-Competence-Center aufzubauen.

KURIER: In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Cloud Computing ist für uns auf dem Weg der digitalen Business-Transformation eine wesentliche Komponente. Wir sind damit in der Lage, flexibel auf Anforderungen zu reagieren und zudem wesentlich agiler Lösungen zu produzieren. So haben wir etwa die Collaboration im Unternehmen Cloud-basierend aufgebaut. Das Mobile Device Management für unsere MobileFirst Strategie läuft ebenfalls in einer Cloud. Auch der Business Prozess eines Tochterunternehmens, wird vollständig auf Kundenwunsch über eine Cloud abgewickelt.

Warum denken Sie, dass die Cloud für Ihr Unternehmen wichtig ist?

Das Business möchte agile und flexible Infrastrukturen, damit beschleunigen wir das Go to Market für unsere Geschäftsideen.

Haben Sie bereits eine konkrete Cloud-Strategie für die nächsten Jahre entwickelt?

Wir haben 2014 begonnen, eine Cloud-Policy für unsere Cloud-Strategie zu entwickeln. Bei allen IT-Themen, die neu vergeben werden, prüfen wir den sinnvollen Einsatz von Cloudansätzen, sofern das mit unseren Datenschutzrichtlinien und unserem Risikodenken in Einklang gebracht werden kann bzw. mit unseren grundsätzlichen Werten wie Vertrauen, Verlässlichkeit und Sicherheit vereinbar ist.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Im Rahmen der Erstellung dieser Cloud-Policy haben wir beispielsweise eine Klassifizierung von Dokumenten eingeführt: Dokumente die nicht für die Cloud gedacht sind, landen auch nicht dort. Wir differenzieren genau, was wir in die Cloud geben und was nicht. Die Österreichische Post ein international agierender Konzern in 13 Ländern, die größten Länder neben Österreich sind Deutschland und die Türkei. Da wir in all diesen Ländern IT-Leistungen haben, ist es für uns normal, dass die Daten in diesen Ländern bzw. in der EU untergebracht sind und diese Internationalität wird durch Cloud-Services unterstützt.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?

Indem wir es einfach ansprechen. Zusätzlich haben wir eine große Security-Verantwortung mit aufgebaut, die Revision eingebunden und ein eigenes Team etabliert, das sich um den Datenschutz kümmert. Mit dieser Kombination ist eine ausreichende Information der Fachabteilungen ermöglicht.
Wie erwerben sich Ihre Mitarbeiter das erforderliche Know-how, um mit einer komplexen Sourcing Beziehung wie Cloud Computing umgehen zu können?
Wir haben ein zentrales IT-Operation Management. Dort ist die Kompetenz der SLA- und Service Manager, etwa im Bereich von SLA und Cloud-Services, gebündelt. Zudem hat die Österreichische Post begonnen, ein Cloud-Competence-Center aufzubauen und hier mischen wir erfahrene Kollegen in traditionellen Methoden mit Neuzugängen, die mit frischen Ideen aus dem Markt zu uns kommen.

Welches Anforderungsprofil brauchen künftig neue IT-Mitarbeiter im Hinblick auf Cloud Computing?

Wir suchen Mitarbeiter für alle IT Bereiche, Projektmanager, Entwickler, SLA- und Service Manager. Die Profile sind sehr vielfältig. Es ist nicht schwierig, in Österreich kompetente Mitarbeiter zu bekommen, die Qualität ist sehr hoch. In den letzten fünf Jahren hat die Österreichische Post sehr viele Innovationsprojekte gestartet, ist mit vielen neuen Themen auf den Markt gegangen. Wenn es gelingt, unsere interessanten Geschichten in diesem Bereich zu erzählen, dann ist es relativ einfach, auch die Menschen zu motivieren, zur Post zu kommen.

Wie prüfen Sie die ausreichende Qualität eines potenziellen Cloud Services?

In unserer Cloud-Policy haben wir uns überlegt welche technischen Rahmenbedingungen ein Cloud-Service haben muss. Macht beispielweise die Nutzlast für eine Cloud Sinn? Dies wird im Vorfeld entsprechend getestet. In Summe entsteht hier ein längerer Prozess, wo wir uns je nach bereich oder Projekt für oder gegen eine Cloud-Lösung entscheiden. Im Rahmen eines Anforderungskonzeptes werden auch die SLA und Qualitätsansprüche festgelegt, die unabhängig davon sind, ob das Service aus der Cloud kommt oder nicht. Die Service-Anforderungen sind in der Hostingpolicy und den AGBs festgelegt.

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Gerhard Grün
CIO ERBER Group


Gerhard Grün ist CIO der ERBER Group, ein österreichisches global agierendes Unternehmen, das mit den vier Divisionen BIOMIN, ROMER LABS, SANPHAR und FUTURE nachhaltige Zusatzprodukte für die Landwirtschaft, und Analysetools für Futter- und Lebensmittel erforscht und produziert.

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Gerhard Grün hat die HTL für Nachrichtentechnik absolviert und erste Computererfahrung mit dem User-Port Interface des Commodore 64 gesammelt. Den Berufseinstieg fand er bei ehemals Perlmooser Zementwerke AG mit einer allumfassenden IT-Betreuung. Dem Kindheitstraum folgend wechselte er später zu IBM Österreich, wo er sich neuen Herausforderungen in einem internationalen Konzern mit spezialisierten Teams stellte. Diese beiden Erfahrungen waren die perfekte Basis, die ERBER Group von einem nationalen Unternehmen mit 200 Mitarbeitern in 11 Jahren zu einem globalen Unternehmen mit 1200 Mitarbeitern zu begleiten.


Kurzfilm Gerhard Grün

Die Erber Group auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie der Erber Group

oder

Futtermittel & Forschung in der Wolke

Bei österreichischen Unternehmen gehören Cloud Services im Vergleich zu einigen anderen EU-Ländern noch eher selten zur generellen IT-Strategie. Nur jeder achte Betrieb nutzt die Vorteile von Cloud Computing, um dadurch seine Produktivität und sein Entwicklungspotenzial zu steigern bzw. um sich besser auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können. Die Erber Group, ein heimischer, global agierender Futter- und Lebensmittel-Produzent, hat diesen Trend längst erkannt und bestimmte „Dienstleistungen aus der Wolke“ bereits hochrangig postiert. Themen, die dabei für den CIO Gerhard Grün im Vordergrund stehen, sind Networking und Kollaboration.

Die IT-Ressourcen von Unternehmen wandern mehr und mehr ins Netz. Für Unternehmen liegt darin die Chance, Daten und Anwendungen kostengünstig zu beziehen – unter Einhaltung der strengen Compliance- Bestimmungen. Dennoch gilt Österreich im internationalen Vergleich als Nachzügler, was die Nutzung von Cloud Computing anlangt. Nur jedes achte Unternehmen verwendet ein kostenpflichtiges Cloud Service. Am ehesten stehen große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern (24 %) diesen IT-Diensten aufgeschlossen gegenüber. Das belegt eine im Herbst 2014 durchgeführte Erhebung der Statistik Austria. Die meisten Unternehmen (mehr als die Hälfte) verwenden Cloud Services bisher vor allem für die Datenauslagerung – als Speicherplatz für Dateien und E-Mails. Etwa ein Drittel der Cloud-Nutzer verwendet das Service für Bürosoftware. Bei kleineren Unternehmen kommen Cloud Dienste kaum zum Einsatz: Neun von zehn Betrieben mit unter 50 Beschäftigten verzichten auf eine kostenpflichtige Datenauslagerung. Die Hälfte dieser Unternehmen nennt als Grund das Sicherheitsrisiko, 43 Prozent geben an, unzureichendes Wissen zu haben. Mängel und Vorurteile wie diese sind in Österreich weit verbreitet und schränken viele Unternehmen in ihrer Produktivität und Entwicklungsfähigkeit massiv ein. Denn laut IDC-Analysten kommt die sogenannte “3rd Platform” innerhalb der IT (mit den Säulen Cloud, Mobility, Social und Big Data) derzeit in eine sehr wichtige Phase. Diese wird als “Innovation Stage” bezeichnet und ist durch eine wahre Explosion an Innovationen and neuen Technologien (Innovation Accelerators) gekennzeichnet. Wer diese Entwicklung verschläft, wird in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Markt verschwinden, so der IT-Experten und EuroCloud Österreich-Chef Tobias Höllwarth. Es gibt aber auch hierzulande weitsichtige Unternehmen und Vorreiter, die die zukunftsweisende Bedeutung solcher Innovation Accelerators wie Cloud Computing längst erkannt haben. Die Erber Group, ein österreichisches, global agierendes Unternehmen, das mit den vier Divisionen Biomin, Romer Labs, Sanphar und Future nachhaltige Zusatzprodukte für die Landwirtschaft und Analysetools für Futter- und Lebensmittel erforscht und produziert, ist einer von ihnen. Denn die IT ist in der Erber-Organisation hochrangig postiert. Themen, die dabei im Vordergrund stehen, sind Networking und Kollaboration. CIO Gerhard Grün, der neben der IT und deren Strategie auch für die Business Projects verantwortlich ist: „Wenn wir eine neue Technologie wie ,virtuelle Server‘ implementieren, lassen wir uns gerne bei der Erstellung helfen, schauen zu – und wenn alles läuft, arbeiten wir auf dieser Oberfläche weiter. Kleinere Problemchen können wir selbst lösen, bei gröberen holen wir Hilfe“. Grün ist direkt dem Vorstand für Personal, IT und Prozesse unterstellt, erhält in gewissen Gremien direkte Informationen und kann dem entsprechend auch effektiv neue Möglichkeiten darstellen. „Der Vorteil eines Familienunternehmens ist, dass schnell Entscheidungen getroffen werden. Es herrscht ein gutes Vertrauensverhältnis – was einiges beschleunigt“, so der IT-Chef.

Outsourcing auf gesharten Plattformen

Im Gegensatz zu vielen anderen österreichischen Betrieben beschäftigt sich die Erber Group schon recht lange mit Cloud Computing. Als Beispiel nennt Gerhard Grün das Hosting der Homepage, eine Recruiting-Plattform, einen FileSharing Service und den SPAM Filter. Aktuell laufen Vorbereitungen, um das ERP-System als IaaS (Infrastructure as a Service) in der Cloud zu betreiben. „Anschließend werden wir weitere Services wie Mailgateway und Collaboration andenken“, so der CIO. „Cloud ist für mich Outsourcing auf geteilten Plattformen und bringt somit neue Möglichkeiten. Konkret habe ich das Thema tiefer gehend aufgegriffen, um diese neuen Möglichkeiten im Zusammenhang mit dem Bau des Serverraumes am neuen Erber Campus zu betrachten.“ Die Anforderungen an die Daten sind dabei sehr vielfältig – u.a. müssen sie schnell, sicher, billig, dynamisch und flexibel, zugleich aber starr bzw. standardisiert sein. Grün: „Ein Data-Center für all diese Anforderungen zu bauen würde bedeuten, in das gemeinsame Vielfache investieren zu müssen. Also haben wir uns hier gezielt mit Services aus der Cloud beschäftigt“. Die daraus resultierende Cloud Strategie unseres Unternehmens zielt nun darauf ab, die beiden Extreme schnell/sicher/starr und billig/dynamisch als IaaS auszulagern und den gemischten Mittelbau selbst zu hosten.“ Zur Cloud-Strategie meint Grün: „Diese betrifft einerseits die Definition, wie wichtig diese Daten für uns sind. Müssen sie 7x24 verfügbar sein, dann reicht unsere Infrastruktur im Haus nicht aus und da benötigen wir dann einen externen Anbieter. Der umgekehrte Effekt sind Daten, die zwar wichtig sind und gesichert werden, aber eben nicht ständig verfügbar sein müssen.“

Drei wesentliche Cloud-Bereiche

Grundsätzlich teilt Gerhard Grün Cloud Computing in drei Bereiche: „Die Private Cloud, wo man sich seine Services selber hostet und entsprechend für die Infrastruktur aufkommen muss. Die Public Cloud, etwa mit Self Service Portalen im Baukastensystem, was aber den Nachteil einer oftmals fixen Standardisierung hat. Und drittens die Domestic Cloud, die lokale Anbieter bedienen. Hier gibt es ein anderes Security-Verständnis und die sind auch so flexibel, genau auf unsere Bedürfnisse eingehen zu können. So kann ich lokale Services oder z.B. shared Plattformen mit einem Data-Storage oder einem lokalen Server verknüpfen und dort meine Private Firewall platzieren, um Vernetzungen durchzuführen.“ Die Technik in der Erber Group dominiert heute als zentrales ERP (Enterprise-Resource-Planning), das alsAnwendungssoftware die bedarfsgerechte Planung und Steuerung von unternehmerischen Ressourcen umfasst (Kapital, Personal, Material, Betriebsmittel, IT-Systeme, Warenbestand, Logistik).„Die Niederlassungen greifen über Terminal Clients online darauf zu“, so der CIO. Wenn die Verbindung nicht funktioniert, müssen die Mitarbeiter ihre Zeit anderweitig effizient nutzen – auch bedingt durch die Zeitverschiebung: „Noch können wir keinen 24-Stunden-Support offerieren“, erklärt Grün. „Unsere Niederlassungen bestehen in der Regel aus rund zehn Mitarbeitern pro Standort, teilweise nur aus zwei, bis hin zu den größten Fabriken mit 30, 50 oder in Brasilien sogar bis zu 100 Mitarbeitern.“ Dabei seien die technischen Voraussetzungen nicht ideal. „In Brasilien ist die Internetleitung noch auf Holzmasten platziert“, so der IT-Manager. „Wenn jetzt, wo Kupfer teuer ist, Diebe den Mast abbrennen, um an das Kabel zu kommen, stehen wir am nächsten Tag ohne Leitung zur Fabrik da. Wir bedienen uns des reinen Internets. Das heißt, Quality of Service gibt es da nicht. Wir müssen eben versuchen, mit günstigen Techniken trotzdem gute Anbindungen zu schaffen.“

Verfügbarkeit und Unabhängigkeit

Sein zweiter IT-Fokus besteht darin, die global verstreuten Mitarbeiter zueinander zu bringen und eine enge Zusammenarbeit zu gewährleisten (u. a. mithilfe der Social Media). Dabei wird versucht, die vorhandene Umgebung weiter auszubauen – wenn nötig durch Beiziehen von Dritt-Tools: „Alles unter Bedacht, Schnittstellen zu vermeiden und möglichst zu vereinfachen – in Richtung Homogenisierung und Standardisierung“, so Grün. Was innerhalb der Erber Group keine so große Rolle spielt, sind Echtzeitinformationen: „Unser Geschäftsmodell ist nicht so zeitkritisch.“ Wichtig hingegen sei eine gut funktionierende Storage-Technologie. Grüns bisherige Erfahrung: „Je mehr Systeme ich in dem virtuellen Konzept laufen habe, desto höher ist die Ausfallsicherheit und desto mehr Ressourcen kann ich nutzen. So ist mit dem Geschmack der Hunger gekommen. Und dem Geschäft bekommt es gut.“ Durch den künftig vermehrten Einsatz von Cloud Computing erwartet sich der CIO „eine höhere Verfügbarkeit“. Hier sei nicht zuletzt die Energieversorgung ein wesentlicher Faktor. Grün: „Für die entsprechende Bereitstellung braucht man große Dieselgeneratoren, große Batterien für unterbrechungsfreie Stromversorgung“. Nachdem der neue Standort, der Erber Campus, auch ein ökonomisches und optisches Vorzeigeobjekt werden soll, wird die Verwendung von Dieselgeneratoren, auch in Bezug auf die Wartung, derzeit diskutiert. Die Idee: Cloud-Anbieter zu nutzen, die genau solche Infrastrukturen haben. Bei allen Überlegungen spielt nicht zuletzt das Thema Unabhängigkeit eine maßgebliche Rolle. „Es ist mir wichtig, dass wir auch ein eigenes Data-Center benutzen“, stellt Grün fest, „denn ich möchte eine gewisse Unabhängigkeit für wichtige Daten bei uns behalten können. Das bedeutet, wir brauchen auch interne Ressourcen, um diese Verantwortung wahrzunehmen“. In diesem Zusammenhang ist dem CIO die Unterscheidung zwischen IaaS und SaaS besonders wichtig: „SaaS bietet mehr Service, verlangt aber eine höhere Standardisierung und bedeutet eine gewisse Abhängigkeit in Bezug auf Versionierung und Datendurchgriff. Bei IaaS habe ich viel mehr Gestaltungsfreiraum, muss mich aber auch entsprechend darum kümmern.“

Generalisten innerhalb gelebter IT-Kultur

Für die Einbeziehung von IT-nahen Tools und damit auch Cloud-Diensten gibt es in der Erber Group laut Grün keine Policy, sondern eine gelebte Kultur, die die Mitarbeiter zur gezielten und sinnvollen Anwendung veranlasst. „Offene Worte, Vertrauen und gute Services verstärken diese Kultur“, so der CIO. Für die Mitarbeiter der Fachabteilungen muss es nicht nachvollziehbar sein, ob das Service inhouse oder extern gehosted wird. „Deswegen ist es wichtig, dass die IT immer involviert wird, damit das beste System und mögliche, notwendige Schnittstellen zur Verfügung gestellt werden.“ Um all diesen und künftigen Anforderungen zu entsprechen, sollten Mitarbeiter im IT Bereich vor allemGeneralisten sein, so Grün, „mit dem Wunsch nach Eigenverantwortung“. Er habe seine Mitarbeiter bis dato nicht auf IT-Kurse geschickt, sondern auf Kurse für Persönlichkeitsentwicklung. „Meine Mitarbeiter sind halbe Projektleiter, die das Unternehmen kennen und die Technik verstehen.“ Die Herausforderung dabei sei, den richtigen Bedarf zu erkennen, die richtigen Lösungen dafür zu finden und diese dann gemeinsam mit Hersteller und Fachabteilung zu implementieren und am Leben zu halten. „Ob bzw. wie viel Technik wir dabei selbst angreifen, ist von Projekt zu Projekt verschieden.“

INTERVIEW

 

„Outsourcing auf geteilten Plattformen bringt neue Möglichkeiten“

In Österreichs Unternehmen wird Cloud Computing noch sehr wenig eingesetzt. Nur jeder achte Betrieb nutzt die Vorteile der „Services aus der Wolke“, um dadurch seine Produktivität zu steigern und seine Entwicklungsmöglichkeiten zu erweitern. Die Erber Group allerdings, ein heimischer, global agierender Futter- und Lebensmittel-Produzent, hat die Cloud längst in die eigene IT-Strategie involviert – insbesondere in den Bereichen Networking und Kollaboration. Demnächst soll auch das ERP-System als IaaS in der Cloud betrieben werden. Welche Anforderungen die Cloud erfüllen muss und was statt einer Policy den Mitarbeitern Orientierung bietet, erklärt CIO Gerhard Grün im KURIER-Gespräch.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Cloud beschäftigt uns schon sehr lange. Aktuell bauen wir einen neuen Campus und in diesem Zusammenhang war es wichtig zu überlegen, wohin mit unseren Daten. Im Hinblick auf Data-Center plane ich nun, einige Services bewusst außer Haus zu geben. Das betrifft auch das Thema Sicherheit, was woanders vermutlich in besserer Hand liegt – dies auch in Bezug auf den neuen, eher exponierten Unternehmens-Standort. Ein weiterer Punkt ist aufgrund unserer Globalität die Vernetzung. Bereits jetzt befinden sich die meisten Nutzer unseres ERP-Systems außerhalb von Österreich und es macht daher durchaus Sinn, kürzere Wege bei den Datenverbindungen zu nutzen.

Welche Anforderungen muss hier Cloud Computing für Sie erfüllen?

Es gibt unterschiedliche Anforderungen an die Daten – schnell, sicher, billig, dynamisch, aber auch starr bzw. standardisiert. Nicht alle Daten brauchen die gleiche Qualität an Verfügbarkeit. Würde ich jetzt selber ein Data-Center designen, müsste ich zuerst das gemeinsame Vielfache von allen diesen Daten suchen, inklusive Verfügbarkeiten. Das würde zu einer Verteuerung führen. Daher entstand die Idee, gezielte Services aus der Cloud mit in Betracht zu ziehen. Hier gilt es nun, die Daten mit hoher Verfügbarkeit herauszuschälen, zu exponieren und in die Cloud zu legen. Das Gleiche betrifft dann auch Daten, die zwar eine gleich wichtige Qualität für uns haben, aber keine so hohe Verfügbarkeit brauchen.

Haben Sie für Ihr Unternehmen bereits eine Cloud Strategie entwickelt, die den Weg in die Cloud für die nächsten Jahre beschreibt?

Unterm Strich ist die Cloud Strategie unseres Unternehmens, die beiden Extreme schnell/sicher/starr und billig/dynamisch als IaaS (Infrastructure as a Service) auszulagern und den gemischten Mittelbau selbst zu hosten. Dabei teile ich die Cloud in drei Bereiche: die Private Cloud, wo man sich seine Services selber hostet und entsprechend für die Infrastruktur aufkommen muss. Die Public Cloud, etwa mit Self Service Portalen im Baukastensystem, hat aber den Nachteil einer oftmals fixen Standardisierung. Wenn wir hier spezifische Services brauchen oder Flexibilität, so ist es dann für uns als einzelnen Mittelständler unmöglich, eine entsprechende Individualität zu bekommen oder es wird zu teuer. Als drittes gibt es für mich die Domestic Cloud, die lokale Anbieter bedienen. Hier habe ich ein anderes Security-Verständnis und die sind auch flexibel, um genau auf meine Bedürfnisse eingehen zu können.

Können Sie bitte die Vorteile, die Sie daraus ziehen, skizzieren?

So kann ich z.B. lokale Services oder shared Plattformen mit einem Data-Storage oder einem lokalen Server verknüpfen und dort meine Private Firewall platzieren, um Vernetzungen durchzuführen. Auch solche Veränderungen beim Domestic-Cloud-Anbieter kosten Geld, was aber gerechtfertigt ist, weil sie genau auf meine Bedürfnisse eingehen. Zudem habe ich die Möglichkeit diesen lokalen Anbieter zu besuchen, etwaige neue Anforderungen direkt zu besprechen – oder auch meine Daten hin zu bringen, diese rasch in die Domestic Cloud zu geben oder sie wieder abziehen.

Welche Cloud kommt in Ihrem Unternehmen bereits zum Einsatz?

In der Cloud betreiben wir als SaaS (Software as a Service) unsere Homepage, die Recruting-Plattform, einen FileSharing Service und den SPAM Filter. Aktuell laufen die Vorbereitungen, um das ERP-System als IaaS in der Cloud zu betreiben. Anschließend werden wir weitere Services wie Mailgateway und Collaboration andenken. Cloud ist für mich Outsourcing auf geteilten Plattformen und bringt somit neue Möglichkeiten. Aktuell vertiefe ich das Thema, um diese neuen Möglichkeiten im Zusammenhang mit dem Bau des Serverraumes am neuen Erber Campus zu betrachten.

Wo liegt für Sie im Hinblick auf die Cloud der wesentliche Unterschied bei SaaS und IaaS?

Der Unterschied ist, dass ich bei SaaS meine Daten an einen Dienstleister in seine Infrastruktur übergebe und nur mehr über Schnittstellen Zugang habe. Wichtig ist hier, die Datennutzung und die Sicherheit zu gewährleisten. Wir ziehen uns etwa einmal pro Monat ein Backup, um die Daten auch jederzeit bei uns verfügbar zu haben. IaaS bietet mehr Möglichkeiten, auch beim Zugriff. Da bin ich bereit, auch unser ERP-System in die Cloud zu geben, eben weil ich jederzeitigen Zugriff habe – mit der Möglichkeit, diese Daten auch wieder abzuziehen.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Unabhängig von Cloud Computing müssen wir zukünftig Daten klassifizieren. Und weil wir klassifizierte Daten haben, können wir auch das Risiko für diese beurteilen und folglich entscheiden, wem wir sie anvertrauen können. Damit die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing sinnvoll ist, braucht es keine eigene Policy, sondern eine Kultur, die die Mitarbeiter veranlasst, uns für alle IT und IT-nahen Tools und damit auch Cloud-Dienste mit einzubeziehen. Offene Worte, Vertrauen und gute Services verstärken diese Kultur.

Wie stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter das erforderliche Know-how haben, um mit Cloud Computing umgehen zu können?

Für die Mitarbeiter der Fachabteilungen soll es nicht nachvollziehbar sein, ob das Service inhouse oder extern gehosted wird. Deswegen ist es auch wichtig, dass die IT immer involviert wird, damit das beste System und mögliche, notwendige Schnittstellen zur Verfügung gestellt werden.

Welches Anforderungsprofil braucht Ihrer Meinung nach ein neuer IT-Mitarbeiter im Hinblick auf die künftigen fachspezifischen Anforderungen?

Es braucht Generalisten mit dem Wunsch nach Eigenverantwortung. Ich habe meine Mitarbeiter bis dato nicht auf IT-Kurse geschickt sondern auf Kurse für Persönlichkeitsentwicklung. Meine Mitarbeiter sind halbe Projektleiter, die das Unternehmen kennen und die Technik verstehen. Die Herausforderung ist, den richtigen Bedarf zu erkennen, die richtigen Lösungen dafür zu finden und diese dann gemeinsam mit Hersteller und Fachabteilung zu implementieren und am Leben zu halten. Wie viel Technik wir dabei selbst angreifen oder eben auslagern, ist von Projekt zu Projekt verschieden.

Wie prüfen Sie die ausreichende Qualität eines potenziellen Cloud Services?

Neben den SLA (Service Level Agreements ist es auch wichtig, ein Access/Exit-Szenario zu haben. Die wichtigste Frage vorweg ist, wie wichtig sind die Daten für das Unternehmen und wie einfach kann ich diese Daten wieder sauber ins Unternehmen holen. Danach kommen Themen wie Security und Schnittstelle. Ist dies geklärt, können die Funktionalität oder der Preis begründen, dass wir ein Service aus der Cloud beziehen.

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Peter Lenz
CIO der ÖBB


Peter Lenz ist seit Dezember 2011 der Konzern-CIO der Österreichischen Bundesbahnen. In dieser Rolle ist er für die strategische IT-Ausrichtung der ÖBB mit den Aktiengesellschaften ÖBB Holding AG, ÖBB Personenverkehr AG, ÖBB Rail Cargo Austria AG und ÖBB Infrastruktur und deren Tochtergesellschaften verantwortlich. Lenz studierte an der Donau-Universität Krems Informations- und Wissensmanagement. Seinen beruflichen Werdegang begann bei dem weltweit operierenden Automobilzulieferer Magna International in verschiedenen führenden Rollen in Österreich, Europa und Nordamerika, wo er auch 3 Jahre lang in Toronto und New York lebte. Nach Magna war er 4 Jahre lang für die OMV als Leiter des CIO Office und IT-Bereichsleiter für Mid & Downstream tätig. Seine Schwerpunkte als ÖBB-Konzern CIO sind IT-Governance, Harmonisierung und Standardisierung und konzernale Zusammenarbeit in heterogenem Organisationsumfeld. Für seine Arbeit bei den österreichischen Bundesbahnen wurde er mit dem Confare CIO Award als CIO des Jahres 2014 ausgezeichnet. 

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Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und Gütern. Die ÖBB gehören zu den pünktlichsten Bahnen Europas und bieten ihren Kunden die höchste Pünktlichkeit in der EU. Mit konzernweit 39.833 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus (davon 35.990 in Österreich, 3.843 im Ausland, zusätzlich 1.814 Lehrlinge) und Gesamterträgen von rd. 6,27 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.

Die ÖBB IT Strategie

  • Die IT in der ÖBB versteht sich als Unterstützer und Förderer der Geschäftsstrategien mit Fokus auf unternehmensweiter Nutzung von Lösungen wo möglich. Diese betreffen Endkundenthemen, Kernprozesse, Innovation, ÖBB nutzen- und wertbringende Aufgaben durch gemeinsame IT-Bebauungsplanung und Priorisierung mit den Fachbereichspartnern.
  • IT-Investitionen und IT-Maßnahmen werden transparent geplant und dargestellt
  • IT-Lösungen berücksichtigen nicht nur die Technologieaspekte, sondern auch die End-to-End Geschäftsprozesssicht und die Auswirkungen auf die Organisation
  • Sicherstellen von Erfolg durch professionelle IT-Projekte, effiziente IT-Prozesse und stabilen Betrieb
  • Die IT-Strategie wird erreicht durch
    • Konstruktive Zusammenarbeit zwischen Fachbereich, IT-Anforderungsmanagement im Teilkonzern, Umsetzung und Betrieb durch den Bereich IT des ÖBB Competence Centers und der IT-Governance des ÖBB CIO Office der ÖBB Holding AG
    • Transparenz der IT-Landschaft
    • Architekturgovernance mit gemeinsamen Richtlinien
    • Standardisierungen & Normierungen
    • Konsolidierungen von redundanten IT-Services
    • Förderung von internem Know How
    • Modernisierungen und Innovation
    • Gesundem Mix aus internem und externem IT-Leistungs-Bezug

 

 


Kurzfilm Peter Lenz

Die ÖBB auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie der ÖBB

Für die tägliche Arbeit der ÖBB sind moderne IT- und Software-Lösungen ein zentraler Erfolgsfaktor: Die IT muss sich im Unternehmen als Unterstützer und Förderer der Geschäftsstrategie ebenso beweisen wie als Sparmeister und Innovator. Cloud Computing wird bei der IT-Strategie im gesamten ÖBB-Konzern künftig jedenfalls eine wichtige Rolle spielen.

Cloud Computing ist eine Konsequenz der technologischen Entwicklung am IT-Markt und ein Thema, das heute vor allem in großen Unternehmen fast alle Abteilungen betrifft. Für eine erfolgreiche Cloud-Strategie ist es daher essentiell, sämtliche Unternehmensbereiche von Beginn an einzubinden. Nur dann klappt eine Implementierung optimal – mit effizienten und automatisierten IT-Prozessen, nach aktuellsten technologischen Standards und mit optimalem Datenzugriff. So berücksichtigen IT-Lösungen nicht nur die Technologieaspekte, sondern auch die End-to-End Geschäftsprozess-Sicht und alle Auswirkungen auf die Organisation.
Als umfassender Mobilitätsdienstleister bringt der ÖBB-Konzern jährlich 469 Millionen Fahrgäste und 109,3 Mio. Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Die ÖBB gehörten 2014 mit 96,7 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Konzernweit sorgen 39.513 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus (zusätzlich 1.761 Lehrlinge) dafür, dass täglich rund 1,3 Mio. Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Die strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG. Die IT ist Unterstützer und Förderer der Geschäftsstrategie. Der Fokus liegt auf der unternehmensweiten Nutzung von Lösungen, das  wird durch gemeinsame IT-Bebauungsplanung und Priorisierung mit den Fachbereichspartnern sichergestellt. Diese betreffen Endkundenthemen, Kernprozesse und Innovation. Naturgemäß spielen bei den ÖBB Sicherheit und Zuverlässigkeit eine enorm große Rolle. ÖBB Konzern-CIO Peter Lenz ist für den intelligenten Einsatz von Informationstechnologie bei den ÖBB verantwortlich: „Meine Hauptaufgabe ist es, Synergien zu finden, sichtbar zu machen, zu nutzen und mit den IT-Leitern der ÖBB-Teilkonzerne wie Personenverkehr, Infrastruktur, Rail Cargo und mit der internen operativen IT, dem IT Bereich des ÖBB Business Competence Centers, umzusetzen. Das Spannende daran ist, gemeinsam die künftige Ausrichtung der IT zu bestimmen und zu leben. Ein Drittel meines Jobs ist Diplomatie und Kommunikation“. In einer Kategorisierung wurde bestimmt, welche Dienste unter welchen Bedingungen in die Cloud verlagert werden können und welche nicht. Lenz: „Für uns ist klar: Wir wollen die Vorteile der Cloud nutzen, aber sensible Kundendaten und betriebliche Daten des Bahnverkehrs bleiben bei uns.“ Die Cloud-Technologie soll das Leistungsportfolio gezielt ergänzen, um dem Unternehmen IT-Services maßgeschneidert anzubieten.

IT-Strategie und Cloud-Services

Vor diesem Hintergrund wurden einheitliche Anwendungs- und Technologielandkarten für den Gesamtkonzern erstellt, die IT-Planung an den Geschäftsprozessen (Business-IT-Alignment) ausgerichtet und Synergiepotenziale mit den ÖBB-Teilkonzernen erhoben. Neben der Applikationssicht umfasst der IT-Bebauungsplan des ÖBB Konzerns auch Handlungsfelder für die Ausrichtung von technischen Plattformen wie Data Warehouse, Access- und Identity Management, Mobility oder Integrationsarchitektur. Die Ziele der IT-Strategie werden durch konstruktive Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen erreicht, durch die Transparenz der IT-Landschaft, die Architekturgovernance mit gemeinsamen Richtlinien, Standardisierungen, Normierungen und Konsolidierungen von redundanten IT-Services, aber auch durch die Förderung von internem Know-how, Offenheit für Innovation und einem „gesunden“ Mix aus interner und externer IT-Leistungserbringung.

Bei den strategischen IT-Agenden im Gesamtkonzern ging es vor Jahren noch um Organisation und um Infrastruktur, jetzt sind insbesondere die Applikationen an der Reihe. „Aus der Struktur gewachsen existieren bei den ÖBB heute noch viele hundert Applikationen. Viele davon sind unverzichtbare Spezialanwendungen für die drei Kernbereiche. Aber es gibt auch noch Harmonisierungsmöglichkeiten“, erklärt Lenz. Durch die Gründung der IKT GmbH vor fünf Jahren wurden fünf IT-Gesellschaften im Konzern zu einem Shared Service Center für IT gebündelt und Ende 2012 als Business-IT organisatorisch neutral unter der ÖBB Holding AG gruppiert. 2014 erfolgte der letzte Schritt mit der Eingliederung von weiteren Shared Services (HR und Finanzen) zum ÖBB Business Competence Center. Sämtliche IT-Operations wurden massiv standardisiert. In der aktuellen Situation des ÖBB-Konzerns sind selbstverständlich auch Einsparungen im laufenden Betrieb wichtig. Lenz: „Durch Zentralisierung haben wir schon sehr viel erreicht. Durch Virtualisierung im Serverbereich sowie durch Standardisierung im Client-Umfeld und anderen Maßnahmen wurden im Zeitraum 2010 bis 2014 rund 50 Millionen Euro eingespart.“ Als Teil des Konzernprogramms »FIT 2015« stand über allem das Projekt »IT-Neu«. Es fasste sämtliche IT-Maßnahmen zusammen und lief bis 2014.

In Bezug auf Cloud Computing sollen sich für den ÖBB-Konzern in einigen Bereichen künftig entscheidende Vorteile ergeben:

  • Verringerte Investitionen. Zum Nutzen der Cloud wird keine spezialisierte Hard- oder Software benötigt. Damit sinken Investitions- und zum Teil auch Wartungskosten.
  • Pay-per-Use. Cloud-Services werden nach tatsächlichem Nutzen bezahlt..
  • Einfache Skalierbarkeit. Die Kapazität von Cloud-Services lässt sich deutlich an den Geschäftsverlauf anpassen. Sie können bedarfsgerecht abgerufen, die Nutzerzahlen angepasst oder neue Funktionen und Module hinzugezogen werden.
  • Erhöhte Produktivität. Mit Cloud Computing kann man mehr Mitarbeitern die Nutzung digitaler Geschäfts- und Kommunikationsprozesse ermöglichen. Durch mobile Lösungen wird die Zusammenarbeit über Standorte hinweg und mit dem fahrenden Personal vereinfacht.
  • Rasche, unbegrenzte Kapazität. Cloud Services sind rasch (meist automatisiert) verfügbar und haben nahezu unbegrenzte Speicherkapazitäten. Das macht den Umgang mit Daten schneller.
  • Aktuelle Programmversionen. Anwendungen aus der Cloud sind immer auf dem neuesten Stand.

Oberste Priorität: (Informations-)Sicherheit

In der internen operativen IT des ÖBB-Konzerns sind insgesamt knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt, die sich mit Projekt- und Programmmanagement oder mit der Entwicklung und dem Betrieb von IT-Lösungen beschäftigen. Konzern-CIO Peter Lenz: „Durch intensive Beschäftigung mit der Cloud erstellen wir  einen klaren und transparenten Handlungsrahmen, in welcher Form künftig Cloud-Services für die ÖBB genutzt werden können“. Dazu braucht es freilich Mitarbeiter, so der CIO, die sich mit dem Vertragsmanagement, mit SLAs (Service Level Agreements), Hybridszenarien und verbundenen Disziplinen auskennen. „Wesentlich für uns ist Datenschutz und Informationssicherheit, hier müssen sämtliche Anforderungen des Konzerns, auch im Cloud Computing, eingehalten werden.“ Aktuell werden Cloud-Services bei den ÖBB u.a. für eine interne Car Sharing-Plattform genutzt. „Darüber hinaus sind wir derzeit in intensiven Vertragsverhandlungen bezüglich  einer Ausbildungsplattform“, so Lenz. Aber auch die Nutzung von Office Software sei eine weitere mögliche Ergänzung des Leistungsportfolios. In Bereichen des ÖBB-Kerngeschäftes, also der Zugsteuerung, der bahnnahen IT und der Signalsteuerung, wird Cloud Computing auch künftig nicht zum Einsatz kommen. Lenz: „Wir wollen die ursächlichen IT-Systeme zum Bahnfahren weiterhin mit internen Ressourcen und internem Know-how abdecken.“ Denn bei Informationssicherheit setzt der CIO auf 100-prozentige Kontrolle. „Unsere Kunden fahren in den ÖBB-Zügen, weil sie sicher von A nach B kommen möchten. Das ist für uns die oberste Prämisse. Wir bieten überaus zuverlässige Services an – und das möchten wir auch in Zukunft 100-prozentig sicherstellen.“
Woran es hinsichtlich Cloud Computing in Österreich (noch) mangelt, sind qualifizierte Mitarbeiter, bestätigt CIO Peter Lenz. „Es gibt hierzulande sehr wenige Cloud-Experten. Das ist noch eine junge Ausbildungsrichtung, die erst entsprechend von den Bildungsträgern in die Programme aufgenommen werden muss“. Neben rein technischen Belangen betrifft das auch verwandte Themenbereiche wie Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen. Nicht zuletzt ist Rechtssicherheit auf dem Gebiet von Cloud Computing generell ein dringliches Thema in Europa: „Da gibt es noch viel zu tun“, weiß Lenz, „schließlich muss man sich darauf verlassen können, dass bestimmte Regeln halten und anwendbar sind.“ Für den CIO wird es künftig daher auch darum gehen, eigene Sourcing-Experten aufzubauen, die externe Partner managen können. „Hier brauchen wir eine neue Form des Prozesswissens innerhalb der IT.“ So ist es für die ÖBB vorstellbar noch einige weitere, abgrenzbare Services in das Bezugsmodell der Cloud z.B. im Messaging Umfeld zu bringen. „Jedenfalls muss hier jeder Schritt mit klar definierten Übergabepunkten erfolgen, damit es für den User nicht spürbar wird und es im Idealfall zu einer Verbesserung kommt“.

INTERVIEW

„Manche IT-Lösungen werden künftig nur noch als Cloud-Services angeboten“

Das Management und die Governance der IT werden in Österreichs Unternehmen zu einem immer bedeutenderen Faktor für das Erreichen strategischer Ziele. Auch im ÖBB-Konzern werden IT-Ressourcen mehr und mehr gebündelt, wobei auch Cloud Computing künftig vermehrt zum Einsatz kommen soll – nicht zuletzt aufgrund der Dimension und Komplexität der Aufgaben als umfassender Mobilitätsdienstleister: Der ÖBB-Konzern bringt jährlich 469 Millionen Fahrgäste und 109,3 Mio. Tonnen Güter umweltfreundlich ans Ziel. Die ÖBB gehörten 2014 mit 96,7 Prozent Pünktlichkeit zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Konzernweit sorgen 39.513 MitarbeiterInnen bei Bahn und Bus (zusätzlich 1.761 Lehrlinge) dafür, dass täglich rund 1,3 Mio. Reisende sicher an ihr Ziel kommen. Mithilfe ausgesuchter Cloud-Services sollen daher konzernweit Synergiepotenziale identifiziert und besser genutzt, die Komplexität der internen IT-Landschaft reduziert und mehr Flexibilität bei der Skalierung erreicht werden. Zudem liegt insbesondere im Cloud Computing die Chance, Daten und Anwendungen unter Einhaltung strenger Sicherheitsbestimmungen gezielt, technologisch optimiert und kostengünstig zu beziehen. Im Gespräch mit dem KURIER zeigt Konzern CIO Peter Lenz auf, wie sich der ÖBB-Konzern auf die neuen IKT-Herausforderungen wie Cloud-Technologie vorbereitet und wo die Errungenschaften des digitalen Zeitalters bereits erfolgreich genutzt werden.

KURIER: In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Was mich interessiert, ist vor allem der strategische Einsatz von Cloud Computing: Inwieweit können wir es nutzen, inwieweit ist es passend. Seit 2014 steht Cloud Computing fix auf der Agenda, weil wir es künftig mehr nutzen wollen.

Welche Bereiche haben Sie dabei im Fokus?

Cloud Computing kann eine Ergänzung des bisherigen Leistungsportfolios der IT sein. Zugleich erkennen wir heute schon, dass gewisse Lösungen künftig nur noch als Cloud Services angeboten werden können. Deshalb bereiten wir uns auf deren Einsatz vor.

Haben Sie dazu für Ihr Unternehmen bereits eine Cloud Strategie entwickelt?

Wir haben eine Kategorisierung  entworfen, die klare Einsatzregeln für Cloud Services definiert. Darin wird festgehalten, was wir in der Cloud machen möchten und dürfen und was nicht. Diesen Entwurf einer Cloud-Policy und ihre Anwendbarkeit testen wir gerade an konkreten Einsatzfällen.

Und welche Cloud-Lösungen kommen bei Ihnen bereits zum Einsatz?

Wir nutzen ein Cloud-Service für eine Car-Sharing-Plattform und sind in intensiven Vertragsverhandlungen bezüglich der Nutzung einer Ausbildungsplattform. Auch die Nutzung von Office Software könnte eine weitere Ergänzung des Leistungsportfolios sein.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Misstrauen entsteht durch Mangel an Information und Wissen. Deswegen ist eine intensive Beschäftigung mit der Nutzung von konkreten Cloud-Services so wichtig. Da werden wir auf spannende Details aufmerksam und schaffen Know-how im Unternehmen, welche Expertise es noch braucht und wo der Einsatz von Cloud-Services für die ÖBB künftig sinnvoll ist.

Das heißt, Sie investieren auch in den Know-how-Aufbau bei Ihren Mitarbeitern...

Ja, wir möchten damit Cloud-Brokerage-Kompetenz im Haus aufbauen. Artverwandte Themen wie Informationssicherheit und Datenschutz sind zu berücksichtigen und müssen eingebracht werden. Bei Pilotprojekten steht sicherlich auch ,learning by doing‘ im Vordergrund. Denn anhand konkreter Projekte lernen unsere Mitarbeiter, sich mit den Chancen und Risken zu beschäftigen. Damit wird wiederum das erforderliche Wissen aufgebaut, das wir auch für weitere Projekte einsetzen können.

Sind Ihre Mitarbeiter an diesen neuen Themen interessiert oder eher skeptisch?
Beides. Es gibt einerseits großes Interesse an diesen modernen IT-Services. Es gibt aber auch Bedenken, wenn es um die Zukunft des eigenen Arbeitsplatzes geht.

Und wie gehen Sie mit diesen Bedenken um?

Wir möchten unseren Mitarbeitern neue Beschäftigungsfelder eröffnen, im Sinne von Cloud-Brokerage beispielsweise. Wir wollen hier „inhouse“-Kompetenzen aufbauen. Der Bezug neuer Services soll sowohl intern als auch extern passieren.

Wie stellen Sie sicher, dass auch alle Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich bzw. untersagt ist?

Als IT-Service Anbieter – und das ist die interne IT– werden wir die Nutzung von Cloud-Services auch in unser Portfolio aufnehmen. Der Fachbereich selbst muss sich nicht notwendigerweise damit beschäftigen, ob ein Cloud-Service hinter einer Lösung steht. Sobald wir die technischen und auch rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt haben, ist das ein Komplett-Service, das wir unseren ÖBB-Kunden anbieten.

Wie prüfen Sie die ausreichende Qualität eines potentiellen Cloud Services?

Natürlich sind hier Referenzen und Erfahrungen anderer Firmen wesentliche Marktinstrumente, um mit potenziellen Anbietern ins Gespräch zu kommen. Wie bisher werden wir aber auch intensiv unsere Einkaufsabteilung einbinden, um herauszufinden, wie die wirtschaftliche Situation eines Cloud-Anbieters ist. Dennoch kann man sich nie zu 100 Prozent sicher sein, dass es diesen Cloud-Anbieter ewig gibt. Das heißt, wenn man in ein Cloud-Brokerage geht oder externe Cloud-Dienste nutzt, dann muss man sich im Vorfeld auch damit beschäftigen, wie man wieder heraus kommt.

Für welche IT-Bereiche werden Sie die Cloud nicht einsetzen?

Cloud-Computing wird in der Zugsteuerung, der bahnnahen IT und der Signalisierung sicher nicht zum Einsatz kommen. Denn insbesondere die ursächlichen IT-Systeme zum Bahnfahren wollen wir weiterhin mit internen Ressourcen und internem Know-how abgedeckt wissen.

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Roland Ledinger
Bundeskanzleramt


Roland Ledinger ist seit 1987 in der Bundesverwaltung tätig. Zu Beginn zuständig für das Zentralen Ausweichsystem des Bundes, Kanzleiinformationssysteme und die Anfänge von ELAK-Anwendungsbereichen; mit der Einrichtung eines eigenen Bundesministeriums für Gesundheit und Konsumentenschutz im Jahre 1989 Leitung des ADV-Bereiches; ab 1995 Leiter der IT-Rechenzentren des Bundeskanzleramtes; ab September 2001 Projektleitung des Projektes „ELAK im Bund“  - seit 2005 Leiter des Bereiches IKT-Strategie des Bundes im Bundeskanzleramt; Geschäftsführer der Platt-form Digitales Österreich (E-Government Kooperation Bund, Länder, Städte, Gemeinden, Wirtschaft und Hauptverband); Präsident der ADV (Arbeitsgemeinschaft Datenverarbeitung)

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Das Bundeskanzleramt ist zuständig für die Koordination der allgemeinen Regierungspolitik, die Informationstätigkeit der Bundesregierung und die staatliche Verfassung. Zudem nimmt es die Vertretung der Republik Österreich vor dem Verfassungsgerichtshof, dem Verwaltungsgerichtshof und den Verwaltungsgerichten sowie internationalen Gerichtshöfen wahr. Im IKT Bereich erfolgt die Koordination der IKT Strategie des Bundes und somit die Ausrichtung von E-Government über alle Ebenen der Verwaltung hinweg. Dazu wurde die Plattform digitales Österreich als virtuelle Plattform eingerichtet, die Plattform umfasst alle Stakeholder und stellt so eine breite Einbindung alle Beteiligten sicher. So konnte Österreich an das Spitzenfeld in Europa gelangen und auch eine Reihe internationaler Auszeichnungen erreichen.

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Kurzfilm Roland Ledinger

Das Bundeskanzleramt auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie des Bundeskanzleramtes

oder

E-Government aus der Wolke

Der Ausbau und die Umsetzung der elektronischen Behördendienste gehören zu den Prioritäten der Österreichischen Bundesregierung. Das BKA ist hier u.a. für die öffentliche Verwaltung zuständig. Bei der IT-Strategie setzt CIO Roland Ledinger auch auf Cloud Computing. Grundsätzlich soll jede Bürgerin und jeder Bürger bei jeder Gemeinde Zugang zu jeder Form von E-Government auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene haben. Eine sichere Kommunikation und die Vertraulichkeit der personenbezogenen Daten sowie die Sicherheit der Transaktion und des Zuganges haben dabei höchsten Stellenwert.

Neue Arbeitsweisen, Mobilität, zentrale Registerkonzepte, Standardisierung, Soziale Medien und Trends wie Cloud Computing verändern auch die öffentliche Verwaltung. Den hohen Stellenwert, den E-Government in Österreich genießt, zeigt die Tatsache, dass seine Gesamtkoordination im Bundeskanzleramt angesiedelt ist. Die Dachmarke dafür ist die 2005 geschaffene "Plattform Digitales Österreich" (PDÖ), die heute das Koordinations- und Strategiegremium der Bundesregierung für E-Government in Österreich darstellt. Hier laufen die Agenden der Kooperation BLSG und jene von IKT-Bund zusammen. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches E-Government sind: effizientes Service, Transparenz und Kundenorientierung, Reorganisation von Arbeitsabläufen und Kommunikationswegen, Schaffung universaler viruteller Anlaufstellen (One Stop Shop-Prinzip), ein flexibles, interaktives, schnelles und sicheres Verwaltungssystem, gemeinsames Vorgehen und Kooperation der Verwaltungen von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden sowie die Interoperabilität und offene Schnittstellen.
Der IKT-Bereich des BKA ist hier im Wesentlichen auf drei Säulen aufgestellt. Das eine ist der IT-Betrieb im Bundeskanzleramt selbst, eine „Unterstützungssäule“, erklärt Roland Ledinger, Leiter IKT-Strategie des Bundes im österreichischen Bundeskanzleramt (BKA) und zugleich Geschäftsführer der Plattform Digitales Österreich: „Wir servicieren derzeit zirka 1.600 Arbeitsplätze in Wien sowie 25 in Paris bei der Ständigen Vertretung Österreichs bei der OECD. Dazu haben wir zwei Rechenzentrumsstandorte, das zentrale Ausweichrechenzentrum in St. Johann im Pongau und einen Standort in Wien Innere Stadt.“ Im Rahmen dieser klassischen Betriebskomponente wird vom PC, Notebook bis zum Handy alles gemanaged, was IKT im weitesten Sinne betrifft. „Wir bauen unsere Lösungen so modular auf, dass sie auch international nutzbar sind.“ Die zweite tragende Säule seien die E-Government-Projekte, wie etwa das Rechtsinformationssystem, ELAK (Elektronischer Akt) und die Help-Plattform als One-Stop-Anlaufstelle für die BürgerInnen. Services, die von Jahr zu Jahr stärker genutzt werden: 2014 haben bereits 15,3 Millionen User (BürgerInnen und Unternehmen) auf das umfangreiche Informationsangebot des digitalen Amtshelfers HELP.gv.at zugegriffen (Vergleich 2013: 12.5 Mio; 2012: 9,1 Mio.) und haben über 47 Millionen Seiten abgefragt. Auf ein Amt umgerechnet wären das rund 450 Schalter, die das ganze Jahr über (24 Stunden, 7 Tage die Woche) parallel Anfragen abzuarbeiten hätten.
„Die dritte Säule formt die übergreifende Koordination auf Bundes-, Länder-, Städte- und Gemeindeebene. In Summe 80 IKT-MitarbeiterInnen, wovon 30 in den betriebsnahen Bereichen tätig sind“, so Ledinger.

Kostenersparnis und Service-Mehrwert

Für die öffentliche Verwaltung ist es schon allein aus Kostengründen wichtig, sich mit neuen Trends in der IT auseinanderzusetzen. Cloud Computing ist dabei der nächste logische Schritt in der Shared IT. Damit wird die klassische Konsolidierung gleich übersprungen. Denn viele Cloud-Lösungen stellen schon heute verbesserte, standardisierte Services für BürgerInnen in Aussicht, wobei auch ein Brückenschlag zu wirtschaftlichen Dienstleistungen denkbar ist. Zwar gibt es noch Herausforderungen im Sicherheitsbereich und beim Datenschutz, doch die Risiken sind beherrschbar.
Fest steht: Die öffentliche Verwaltung kann von Cloud-Lösungen in vielerlei Hinsicht profitieren. Beispielsweise wird es leichter, Webauftritte in der Cloud zu vereinheitlichen, erklärt CIO Ledinger. Außerdem sind einmal umgesetzte BürgerInnen-Services, wie etwa zur Verwaltung von Amtsterminen, leicht in weiteren Gemeinden zu starten. Im Hintergrund geht es freilich auch darum, die öffentliche IT zu konsolidieren und damit Kosten und somit letztlich Steuergeld zu sparen. „Rechenzentren sind Fixkostenintensiv“, weiß Ledinger, „mit Zugriff auf passende Cloud-Services können einzelne öffentliche Verwaltungsstellen also massiv sparen, da sie dann nur die tatsächlich genutzten Leistungen bezahlen. Das ist gewiss ein Paradigmenwechsel“. Gleichzeitig gibt der CIO aber „mögliche Abhängigkeiten“ zu bedenken: „Die Abhängigkeit von Anbietern oder Services und Diensten ist für uns im Sinne von etwaig nicht rückführbaren Prozessen ein Problem. Wenn wir uns entscheiden, externe Services in Anspruch zu nehmen, dann ist für uns auch klar, dass wir das interne Know-how abbauen müssen und irgendwann diesen Prozess nicht mehr rückführen können. Dieses Thema müssen wir langfristig immer im Blick haben, um unsere Infrastrukturen entsprechend abzusichern.“
Freilich gibt es gerade im öffentlichen Bereich gewisse Einschränkungen. "Wir nutzen Cloud Lösungen für den Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten. Durch die Bündelung von IKT Services nutzen wir das in verschiedenen Ausprägungen, wie etwa im ELAK als Software as a Service. Für die Zusammenarbeit mit externen Stellen zur Erstellung von Dokumenten nutzen wir ein Cloud Service zur Kollaboration.“ Bei personenbezogenen Daten führe der Weg der Verwaltung aber nicht in eine Public Cloud. Denn (noch) können große Dienstleister nicht garantieren, dass etwa US-Behörden keine unerwünschte Dateneinsicht nehmen. In diesem empfindlichen Bereich steht aber die Private Cloud zur Verfügung, in der nur klar definierte Nutzer Zugriff auf Daten haben. Auch der Weg mittels Verschlüsselung kann ein Weg der Nutzung externen Cloud Services sein.

Mangel an qualifizierten MitarbeiterInnen

Doch nicht nur Usability und Sicherheit sind in der IKT-basierten Verwaltung zentrale Themen. Laut CIO Ledinger wird es auch immer schwieriger, die Qualifikation der MitarbeiterInnen in derselben Geschwindigkeit mitzuführen, in der sich die Rahmenbedingungen ändern. Das gilt auch für die Nutzung von Cloud Computing: „Neben den klassischen Spezialisten in verschiedenen IT-Sparten wird es notwendig sein, die Umsetzungsmöglichkeiten auf Basis von vorhandenen Diensten wie Cloud Services beurteilen zu können“, betont Ledinger. „Die Anforderungen zu verstehen und dann das richtige vorhandene Service zu identifizieren, wird eine immer wichtigere Kompetenz. Wir brauchen also Generalisten, die aber auch die Fachprozesse im Kopf haben. In unseren IT-Abteilungen steht nach wie vor der Selbstbau im Vordergrund , für Cloud Computing ist da sicher ein noch ein großer Kulturwandel nötig.“
Denn, so ist sich der CIO sicher: „Wir werden künftig nicht mehr groß programmieren, sondern viel mehr eine Art Integrator von Diensten und Services sein, die Schnittstelle von Fachbereichen und IT-Anbietern.“ Ein wichtiger Punkt ist dabei heute schon das Thema Standardisierung. Ledinger: „Hier ist die Einordnung von angebotenen Cloud-Services sehr hilfreich. Das dafür erforderliche Experten-Know-how wird sich auch künftig im Spannungsfeld zwischen einer schnellen Lösung und einer konkreten Detailprüfung bewegen.“

INTERVIEW

„Cloud-Lösungen für Austausch und Bearbeitung von Dokumenten“

oder

„Cloud Computing schafft Synergien, Standardisierung und Kosteneinsparung“

Das Bundeskanzleramt (BKA) ist für die Regierungskoordination, den öffentlichen Dienst, die Verwaltungsreform, den Bundespressedienst, die Verfassung sowie für Kunst und Kultur zuständig. In diesem umfassenden Aufgabenbereich sind gerade bei der E-Government Strategie und deren Umsetzung neue IT-Entwicklungen und Services von großer Relevanz. So hat das Bundeskanzleramt bereits vor drei Jahren das Thema Cloud Computing für den Einsatz in der öffentlichen Verwaltung evaluiert und dazu ein Grundsatzpapier erarbeitet. Im Gespräch mit dem KURIER erklärt Roland Ledinger, als CIO für die IKT des Bundeskanzleramtes (rund 1.600 Arbeitsplätze) sowie für die IKT Koordination in der öffentlichen Verwaltung zuständig, wo Cloud-Lösungen bereits Einsatz finden, nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden, wo die größten Zukunftschancen dieser Technologie liegen und worin heute (noch) die Herausforderungen bei der Nutzung bestehen.

Welche Rolle spielt Cloud Computing für Ihr Unternehmen?

Cloud Computing schafft Synergien, Standardisierung und Kosteneinsparung. Daher muss auch die öffentliche Verwaltung deren Einsatz laufend prüfen. In der öffentlichen Verwaltung ist dies aber immer unter dem Aspekt der Verwaltung und Verarbeitung vertrauenswürdiger Daten zu sehen, nämlich die Daten von BürgerInnen und Unternehmen.

Haben Sie im BKA bereits eine Cloud Strategie für die nächsten zwei, drei Jahre entwickelt?

Es wurde für die öffentliche Verwaltung ein Positionspapier erarbeitet, wie und unter welchen Umständen Cloud Computing eingesetzt werden kann. Wir evaluieren das laufend, etwa welche neuen Möglichkeiten im Bereich Services und Dienste es dazu gibt. Dies ist derzeit im Wesentlichen nur dort denkbar, wo es um öffentliche Daten geht.

Welche Cloud kommt in Ihrem Unternehmen bereits zum Einsatz?

Wir nutzen Cloud Lösungen für den Austausch und die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten. Dokumente sind unser Produkt. Durch die Bündelung von IKT Services nutzen wir das in verschiedenen Ausprägungen, wie etwa im ELAK (sofort einsetzbar, Kosten pro User und Monat) als Software as a Service. Für die Zusammenarbeit mit externen Stellen zur Erstellung von Dokumenten nutzen wir Cloud Computing zur Kollaboration.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Im erwähnten Positionspapier haben wir alle Aspekte für die öffentliche Verwaltung betrachtet und hier insbesondere das Thema Datenschutz sowie rechtliche Rahmenbedingungen, Abhängigkeiten und technische Aspekte fokussiert. Durch das Beschäftigen mit der Materie konnten einzelne Bedenken ausgeräumt und der Umgang mit Risken definiert werden. So ist der Anwendungsbereich einfacher einzuschätzen.

Ist die Abhängigkeit von Anbietern ein großes Problem für Sie?

Die Abhängigkeit von Anbietern oder Services und Diensten ist für uns im Sinne von etwaig nicht rückführbaren Prozessen ein Problem. Wenn wir uns entscheiden, externe Services in Anspruch zu nehmen, dann ist für uns auch klar, dass wir das interne Know-how abbauen müssen und irgendwann diesen Prozess nicht mehr rückführen können. Dieses Thema müssen wir langfristig immer im Blick haben, um unsere Infrastrukturen entsprechend abzusichern.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich oder untersagt ist?

In den meisten öffentlichen Stellen werden IT-Lösungen und daher auch die Anwendung von Cloud-Services über die jeweiligen IKT Abteilungen, also zentral, abgewickelt. Im BKA wird die Nutzung, etwa von Umfrage Services in der Cloud, auch von der IT-Abteilung bestellt. Da besteht in der öffentlichen Verwaltung grundsätzlich eine klare Policy, wer was wann darf und das gilt auch für Cloud-Lösungen.

Wie stellen Sie sicher, dass die IT-MitarbeiterInnen das dafür erforderliche Know-how haben?

Das ist in der Tat ein überaus wichtiger Aspekt. Wir haben zwar eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema Cloud Computing eingerichtet, die zentrale Frage liegt aber in der Verbreitung dieses Wissens. Wie kommt es zu den einzelnen MitarbeiterInnen und in welcher Form kommt es dort an. Hier und in der Ausbildung der MitarbeiterInnen haben wir sicher noch ein gutes Stück Arbeit vor uns.

Ist es schwierig, genügend qualifizierte MitarbeiterInnen zu bekommen?

Das ist ein Dauerbrenner bei uns, weil wir in der öffentlichen Verwaltung im Vergleich ganz einfach schlecht bezahlen und nicht sehr flexible Rahmenbedingungen vorfinden. Grundsätzlich ist es aber für alle Organisationen eine Herausforderung, diese breite Kompetenz zu finden, das hat natürlich auch mit Erfahrungen zu tun, die etwa direkt von der Uni heraus naturgemäß nicht vorhanden ist. Wir brauchen Menschen mit Erfahrung – auch solche, die vielleicht das eine oder andere Projekt in den Sand gesetzt haben, dadurch aber jetzt wissen, wo man ansetzen muss.

Wie prüfen Sie die Qualität eines Cloud-Services, bevor Sie es einsetzen?

Das ist von der Anforderung und vom Anwendungsfall abhängig. Bis zu einem gewissen Grad kann man allgemeine Punkte via Checklisten, die man dann auch auf die Organisationseinheiten abstimmen muss, evaluieren. Die restlichen Anforderungen müssen dann auf den Fall hin geprüft werden. Hier ist man im Spannungsfeld zwischen einer schnellen Lösung und einer konkreten Detailprüfung. Eine Standardisierung und Einordnung von angebotenen Cloud-Services würde hier sicher hilfreich sein. Ein wichtiger Punkt ist auch die Lizenzpolitik der Anwender, besonders im Softwarebereich. Die Entscheidung in die Cloud zu gehen ist die eine, Lizenzen zu kaufen oder zu mieten die andere. Software-Hersteller benutzen immer stärker in der Kundenbindung Mietmodelle und Cloud-Services um einen Lockin Effekt zu erreichen.

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Eric-Jan Kaak
CIO Blizzard


Eric-Jan Kaak ist CIO der Blizzard Sport GmbH und der italienischen Muttergesellschaft, Tecnica Group SpA. Zur Unternehmensgruppe gehören weltweit bekannte Marken wie Tecnica, Nordica, Rollerblade, T-Shoes, Moonboot, Blizzard, Lowa und Dolomite. Davor war er Leiter des Controllings, sowie IT-Verantwortlicher der Skifirma Blizzard.

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Kaak stammt aus den Niederlanden und war lange Zeit in Managementausbildungen an der Universität Salzburg sowie an der Salzburger Fachhochschule beschäftigt. Er ist Absolvent des Master Controlling Programmes des MDI Wien. Viele Jahre war er im Forschungsmanagement tätig und hat Erfahrung in der Leitung von internationalen Softwareentwicklungsprojekten. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich der IT-Unterstützung von Unternehmensprozessen sowie im Innovations- und Projektcontrolling. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit agilen Projektmanagementmethoden und führte als einer der ersten in Österreich Kanban in der IT-Abteilung ein. Für seine Arbeit wurde er 2013 mit dem Confare CIO-Award als CIO des Jahres ausgezeichnet

Tecnica Group Company Profile [pdf]

Tecnica Group IT Strategy [pdf]


Kurzfilm Eric-Jan Kaak

BLIZZARD auf dem Weg in die Cloud

Die Cloud-Strategie von Blizzard Sport

oder

Freeride in der Wolke

Beim global agierenden Unternehmen Blizzard Sport (Tecnica Group) spielt Cloud Computing heute schon eine wichtige Rolle. Die aktuelle Cloud-Strategie ist darauf ausgerichtet, Business und IT miteinander zu verschmelzen. Dadurch soll ein schnelleres und flexibleres Reagieren auf neue Marktentwicklungen ermöglicht werden. Darüber hinaus will CIO Eric-Jan Kaak im Zuge der Konsolidierung der internationalen IT-Aktivitäten mithilfe von Cloud-Lösungen einen Mehrwert für die Kunden und Vertriebspartner generieren. Security und Availibility sind dabei die Hauptthemen.

Lediglich ein Drittel der Unternehmen (36 Prozent) ist auf die digitale Revolution vorbereitet, die mit der umfassenden Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, aber auch internetbasierter Produktions- und Verwaltungsprozesse längst begonnen hat. Als größte Herausforderung gilt in Österreich der Mangel an dafür erforderlichem Know-how und den IT-Systemen. Zu diesen Ergebnissen kommt die jüngste KPMG Studie „Global Chief Information Officer (CIO) Pulse“, die aktuelle Markttrends im Bereich Informationstechnologie erhebt. Social Media, die Nutzung mobiler Endgeräte, Cloud Computing und andere Technologien der heutigen Zeit erfinden Produkte, Dienstleistungen und Märkte neu und verändern somit auch die Art und Weise, wie Geschäfte getätigt werden. Die Teilnehmer der weltweiten Umfrage äußerten hinsichtlich des technologischen Fortschritts ihre Besorgnis, gaben aber gleichzeitig an, sich nicht ausreichend darauf vorzubereiten. Für viele wird somit die digitale Revolution statt einer Chance zu einer Bedrohung fürs Geschäft. Denn jenen Unternehmen, so die Studie, die sich mit neuen Technologien befassen und diese auch in ihre IT-Strategie einbinden, gelingt es besser, sich von der Konkurrenz abzuheben und langfristig mit der Digitalisierung Schritt zu halten.
Als Hauptgrund für den schwachen Anklang seitens der Unternehmen wird eine Reihe an Herausforderungen gesehen, die eine Implementierung mit sich bringt. Denn für den Umgang mit der digitalen Revolution sind nicht zuletzt bestimmte Fähigkeiten erforderlich. Der Erwerb dieses Know-hows gilt für zwei Drittel der befragten Betriebe als größte Hürde.
Nicht so für Blizzard Sport, die bereits gezielt auf eine zeitgemäße IT-Strategie setzt und dabei nicht zuletzt Cloud Computing erfolgreich einsetzt. Eric-Jan Kaak, CIO der Blizzard Sport und für das Business Process Management sowie die gesamte IT der Italienischen Muttergesellschaft Tecnica Group verantwortlich: „Die Cloud spielt für uns eine zentrale Rolle, weil uns diese Technologie erlaubt, schneller auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Sie gibt uns Flexibilität in einem sich immer schneller bewegenden Marktumfeld. Nicht der Große wird den Kleinen fressen sondern der Schnelle den Langsamen.“ Die Blizzard Sport, seit 1945 am Standort Mittersill angesiedelt, entwickelt und produziert Ski der Marken Blizzard und Nordica. Die Tecnica Group ist weltweit tätig in der Entwicklung und dem Vertrieb von Ski und Skischuhen (Blizzard / Nordica / Tecnica), Outdoorschuhen (Lowa / Tecnica / Dolomite) und Inlineskates (Rollerblade / Bladerunner), sowie Moonboots.  Kaak: „Innerhalb der Tecnica Group haben wir in 8 verschiedenen Ländern Niederlassungen – USA, Kanada, Japan, Schweiz, Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien. Unsere Produkte werden weltweit über ein Netzwerk von Distributoren ausgeliefert.“ Vor diesem Hintergrund sind Services und Applikationen rund um die dynamische Bereitstellung und Nutzung von IT-Hardware (Rechenleistung, Speicherplatz), IT-Software und IT-Services über das Internet entscheidend. Mit Hilfe der Cloud wird die IT-Landschaft nicht mehr vom Anwender lokal betrieben, sondern von einem oder mehreren externen Anbietern „gemietet“. So soll es für Blizzard Sport künftig möglich sein, rechenintensive Computer-Aufgaben nicht nur zu bewältigen, sondern durch eine Vernetzung von Systemen an den verschiedenen Standorten auch alle Ressourcen mit höchster Effizienz zu nutzen.

Einheitlich: Applikationslandschaft & globale Storage-Infrastruktur

„Die Cloud Strategie unseres Unternehmens ist darauf ausgerichtet, Business und IT miteinander zu verschmelzen“, erklärt Eric-Jan Kaak. So sei jedes Budget ein IT-Budget und jede Strategie ist eine IT-Strategie. „Deshalb gibt es keine getrennte Cloud Strategie, sondern eine integrierte Business Strategie.“ Es geht zum Beispiel darum, „sämtliche Authentifizierungen zentral zu managen und zu vereinheitlichen, die Standard Applikationen zusammenzuführen um eine einheitliche Applikationslandschaft zu haben, sowie Storage-Infrastruktur für die globalen Marketing- und Entwicklungsteam bereitzustellen“. Für seine ganzheitliche Sicht der Dinge und sein kluges Change-Management im Bereich der IT wurde Eric-Jan Kaak bereits 2013 mit dem Confare CIO Award ausgezeichnet. Überzeugend ist nicht nur das Know-how des IT-Managers, sondern auch sein teils unkonventioneller, aber effektiver Zugang zu Transformation und Veränderung: „Change ist gerade in der IT ein Dauerzustand. Wenn man Change nach dem Motto ‚fail fast and cheap‘ begegnet und eine Kultur der gemeinsamen Verantwortung schafft, kommen tolle Ergebnisse heraus. Und wenn man Mal auf die Schnauze fällt, ist es auch OK, wenigstens kommt man vorwärts – ganz dem Motto ,sometimes you win, sometimes you learn’“.

Offener Umgang und Vertrauen

In den einzelnen Fachabteilungen von Blizzard Sport geht man mit dem Thema Cloud Computing grundsätzlich offen, aber sehr bewusst um. „Weg von, Du darfst das nicht‘, hin zu ,Wenn Du das und das machen willst, können wir Dir dabei behilflich sein’“, erläutert Eric-Jan Kaak die Unternehmensphilosophie dazu. „Wir sind aber auch dabei, Policies zu entwickeln, die allerdings nicht be- und verhindernd sein sollen, sondern auf das Geschäft und die Prozesse unterstützend wirken.“ Ebenso wichtig seien viele Usecases, wo verantwortliche User und Enduser zeigen, wie sie mit dem Thema Cloud umgehen. Kaak: „Da ist kein Platz für Angst. Die IT steht in Bezug auf die Cloud erst am Anfang, generiert aber jetzt schon mit dem Business zusammen einen Mehrwert für den Kunden. Auch erlauben kostengünstige und flexible Lösung aus der Cloud, dass wir uns künftig mehr auf das Kerngeschäft konzentrieren können.“ Am nötigen Vertrauen mangelt es dem CIO nicht, schließlich ist er überzeugt: „Security und Availibility sind die Hauptthemen, und gleichzeitig die USP eines jeden Providers. Wenn es nur den Anschein hat, dass ein Anbieter von Cloud Computing hier fahrlässig ist, wird er morgen kein Business mehr haben.“ Seitens der IT-Mitarbeiter sind angesichts der raschen Entwicklungen im Bereich Cloud Computing sowie generell vor dem Hintergrund der digitalen Revolution gewiss einige neue Kompetenzen erforderlich. Das wesentliche Anforderungsprofil bringt CIO Kaak mit einem Wort auf den Punkt: „wissbegierig“. Plus einer grundsätzlichen Flexibilität, denn: „Man muss bereit sein, alle Konventionen von heute morgen über den Haufen zu werfen und immer wieder Neues dazu zu lernen.“

INTERVIEW

„Sometimes you win, sometimes you learn“

Im Zuge der Konsolidierung der globalen IT-Aktivitäten innerhalb der gesamten Tecnica Gruppe ist das renommierte Unternehmen Blizzard Sport gerade dabei, seine Schwerpunkte neu zu setzen. Einige der maßgebenden Pilotaktivitäten finden im österreichischen Mittersill statt. Cloud Computing spielt hier eine zentrale Rolle, sagt CIO Eric-Jan Kaak, der bei Blizzard Sport für das Business Process Management sowie für die gesamte IT der Muttergesellschaft (Tecnica Group in Italien) verantwortlich ist. Sein Aufgabenbereich inkludiert auch die IT-Entwicklung im Ski-Kompetenzzentrum der Tecnica Group – operativ und strategisch. Im KURIER-Gespräch skizziert er die wesentlichen Herausforderungen der neuen IT-Strategie und erklärt konkrete Chancen und Umsetzungsmaßnahmen im Bereich Cloud Computing.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Cloud Computing spielt bei der Konsolidierung der globalen IT-Aktivitäten innerhalb der Tecnica Gruppe eine zentrale Rolle. Beispielsweise geht es uns darum, sämtliche Authentifizierungen zentral zu managen und zu vereinheitlichen, die Standard Applikationen zusammenzuführen um eine einheitliche Applikationslandschaft zu haben, sowie Storage-Infrastruktur für die globalen Marketing- und Entwicklungsteams bereitzustellen. Weiters wollen wir unser lokales, österreichisches ERP System, das derzeit noch in unserer Private Cloud betrieben wird, zukünftig konzernweit ebenso in eine externe bzw. Public Cloud transformieren.

Warum ist in der Skiindustrie rasches Agieren so wichtig? An sich gibt es eine Produktion im Jahr und die wird dann verkauft...

Wir haben ein Modeprodukt, da muss man schnell auf aktuelle Trends – etwa bei Designänderungen oder neuen Farben – reagieren. Parallel werden sich auch die Vertriebs- und Business-Modelle ändern und erweitern, neben b2b geht es immer mehr auch in Richtung b2c. Als Modeunternehmen muss ich hier entsprechend rasch auf all diese Veränderungen reagieren, insbesondere als globaler Player.

Werden Sie künftig auch individuelle Skimodelle fertigen, die sich ein Kunde etwa auf seinem Handy persönlich zusammenstellt?

Ja, auch im Kontext zum Thema Industrie 4.0 geht es darum, individuell und flexibel auch auf einzelne oder kleinere Kundenanfragen rasch reagieren zu können.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud Computing geäußert werden?

Für mich bedeutet das, dass wir eine Fülle von Usecases haben müssen, wo verantwortliche User und Enduser zeigen, wie sie mit dem Thema Cloud umgehen. Schließlich kaufen wir auch selbstverständlich Bücher und Reisen online und geben da unsere Daten aus der Hand. Da ist kein Platz für Angst. Pauschale Blockaden gibt es bei uns erst gar nicht – es ist eher so, dass die User das Gefühl haben, die IT ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und generiert mit dem Business zusammen einen Mehrwert für den Kunden.

Und wie sieht es mit Ihrem Vertrauen in die Cloud-Anbieter aus?

Das Thema Vertrauen ist essenziell – die Firmen, die Cloud-Dienste anbieten, wissen heute sicherlich, was sie tun. Deren Geschäft ist nicht nur die Business-Technologie, sondern auch der Faktor Vertrauen. Hier sind Security und Availibility die Hauptthemen, und gleichzeitig die USP eines jeden Providers. Wenn es nur den Anschein hat, dass ein Anbieter hier fahrlässig ist, wird er morgen kein Business mehr haben.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter das erforderliche Know-how haben, um mit einer komplexen Sourcing Beziehung wie Cloud Computing umgehen zu können?

Das ist eine große Herausforderung für alle Mitarbeiter, nicht nur für die IT – und hier stehen wir erst am Beginn. Es sind eher interessante Usecases, die weiterhelfen. Noch lernen wir alle – aber wer nicht lernt, hat schon verloren. Auch Fehler und Experimentieren sind einkalkuliert, dann muss man daraus lernen. Sometimes you win, sometimes you learn.

Welches Anforderungsprofil braucht ein neuer Mitarbeiter im IT Bereich, damit er mit den zukünftigen IT-Anforderungen – insbesondere Cloud Computing – gut umgehen kann?

Es gibt nur ein Anforderungsprofil: Wissbegierig. Man muss bereit sein, alle Konventionen von heute morgen über den Haufen zu werfen. Nach fast 25 Jahren in der IT, hat sich die Welt 4 bis 5 Mal völlig umgedreht. Was gestern galt, ist morgen schon wieder obsolet.

Wie prüfen Sie die ausreichende Qualität eines potentiellen Cloud Services bevor Sie es einsetzen?

Ich rede mit Kollegen die ich global kenne und versuche wiederum Usecases zu finden und Referenzen zu bekommen. Auch ist es wichtig, zu lernen, wie andere ähnliche Agenden umgesetzt haben und dieses Wissen und Procedere dann für unsere Bedürfnisse zu adaptieren. Initiativen wie Trust in Cloud helfen hier ungemein.

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Hannes Gutmeier
CIO conwert


Hannes Gutmeier ist seit 2011 Leiter der Konzern-IT der conwert Immobilien Gruppe. Zur börsenotierten Gruppe gehören u.a. auch die börsenotierte Unternehmen KWG Kommunale Wohnen AG und die ECO Business-Immobilien AG, sowie die Dienstleistungsgesellschaften der alt+kelber Immobilienverwaltung und Resag Property Management.

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Gutmeier startete 1986 seine IT-Karriere als Software-Entwickler in einem Unternehmen der Metallindustrie. 1990 stieg er dort zum IT-Leiter auf. 1997 wechselte er in die Konsumgüterbranche, gestaltete beim Handelsunternehmen Sara Lee die IT neu und führte als Leiter der IT und Organisation SAP erfolgreich ein. 2006 wechselte er als Leiter IT in die Buwog-Gruppe. Fokus seiner Arbeit waren dort der Aufbau des IT-Teams sowie die komplette Neustrukturierung und Modernisierung der IT-Landschaft. Er agierte u.a. auch als Projektleiter eines umfassenden, unternehmensweiten Optimierungsprojekts, bei dem sämtliche zentrale Geschäftsprozesse gestrafft wurden. 2008 wurde er als Head of Group IT in die Zentrale der Immofinanz Group berufen, wo er eine neue IT-Infrastruktur konzipierte und die Applikationslandschaft radikal erneuerte. Sein Schwerpunkt in der conwert Immobilien Invest SE liegt aktuell auf der Umsetzung der von ihm neu entwickelten IT-Strategie mit dem Anspruch auf eine flexible und volatile Nutzung von IT-Ressourcen entsprechend der operativen Anforderungen. Seine Arbeit brachte ihm 2011, 2013 und 2014 die Auszeichnung TOP CIO ein. 2014 wurde er für den Innovationsaward der SAP nominiert.

Allgemeine Informationen


Kurzfilm Hannes Gutmeier

CONWERT auf dem Weg in die Cloud

CONWERT auf dem Weg in die Cloud

Flexibilität, Innovation und Nachhaltigkeit für den Immobiliensektor

Für innovative Unternehmen sind Cloud-Lösungen schon heute unabdingbar und ein zunehmend wichtiges Element der generellen IT-Strategie. Bei der conwert Immobilien Gruppe ermöglicht der gezielte Einsatz von Enterprise Cloud Computing nicht nur neue Services, sondern auch die Fokussierung aufs Kerngeschäft. Darüber hinaus wird mithilfe der Cloud die Komplexität der internen IT-Landschaft reduziert und mehr Flexibilität bei der Skalierung erreicht, ohne dafür eine eigene Umgebung aufbauen zu müssen.

Mit der digitalen Revolution werden neue Geschäftsmodelle umgesetzt, Unternehmen können schneller und gezielter produzieren, aber auch effizienter kommunizieren und arbeiten. Eine bedeutende Rolle spielt dabei das Cloud Computing – ein Sammelbegriff für Services und Applikationen rund um die dynamische Bereitstellung und Nutzung von IT-Hardware, IT-Software und IT-Services übers Internet. Mit Hilfe der Cloud ergeben sich für moderne Unternehmen viele Vorteile – für die Weiterentwicklung der Bereitstellung von IT-basierten Lösungen, die Kostenreduktion, die Steigerung die eigenen Agilität und Wettbewerbsfähigkeit sowie für die Erfüllung der wachsenden Anforderungen in Bezug auf Innovation, Sicherheit, Flexibilität, Geschwindigkeit und Skalierbarkeit. Einer der heimischen Vorreiter bei der Anwendung von Cloud Computing ist die conwert Immobilien Gruppe, die zu den größten Bewirtschaftern und Entwicklern von Wohnimmobilien in Deutschland und Österreich gehört. Das börsenorientierte Unternehmen verwaltet auf circa 35 Standorten über 55.000 Einheiten.

Kostengünstige und flexible IT-Lösung

Angesichts der Größe, Komplexität und der verschiedenen Standorte ist für den Leiter der Konzern-IT Hannes Gutmeier Cloud Computing ein zunehmend wichtiges Element der generellen IT-Strategie: „Wir haben eine IT-Strategie entwickelt, die zum Ziel hat, IT-Ressourcen entsprechend den operativen Anforderungen rasch und flexibel zur Verfügung zu stellen. Diese Flexibilität ist für den Immobiliensektor unabdingbar. Wo es möglich und sinnvoll ist, gehen wir dabei zu Cloud-Applikationen über. Nur in der Cloud können wir flexibel, schneller und agiler sein.“ Der Anspruch: flexible und volatile Nutzung von IT-Ressourcen für über 500 User sowie die Integration aller Unternehmenspartner. Der Fokus liegt dabei auf Konsolidierung, Nachhaltigkeit und der Unterstützung des operativen Geschäfts. "Um uns voll auf unser Kerngeschäft konzentrieren zu können, suchten wir also nach einer kostengünstigen und flexiblen Lösung im Finanzbereich, die unsere Geschäftsprozesse vereinfacht und gleichzeitig Hardwarekosten, Supportkosten und Betriebskosten minimiert", so der Leiter der Konzern-IT. „Die nun gewählte Enterprise Cloud Lösung ermöglicht es uns, die Komplexität unserer IT-Landschaft zu reduzieren und bietet uns Flexibilität bei der Skalierung, ohne dass wir eine eigene Umgebung aufbauen müssen." Auf diese Weise ist das österreichische Immobilienunternehmen in der Lage, die Finanz-, Reporting- und Konsolidierungsprozesse für seine rund 350 Gesellschaften nahezu in Echtzeit auszuführen. Zudem hat conwert durch den Cloud-Betrieb auch seine IT-Infrastruktur harmonisieren und die Geschäftsprozesse vereinfachen können.
Als nächste Themen stehen Mailsystem und Infrastructure-Services auf der Agenda. Gutmeier: „Cloud bringt (fast) alle Vorteile von Outsourcing, allerdings bei weit größerer Selbstbestimmung des Kunden was Granularität, Vertragslaufzeit, unit-based pricing und pay-on-demand oder das Abfangen von Lastspitzen betrifft.“ Abgesehen von möglichen Kosteneinsparungen sei der Cash-Bedarf deutlich geringer. „Zudem ist bei jeder Komponente ein nachträgliches Korrigieren nach oben oder unten möglich. Man kann so neueste Technologien, die automatisch bereitgestellt werden, nutzen und erreicht dabei bessere Sicherheitsstandards als jene, die von etablierten Providern geboten werden.“ Nicht zuletzt seien Innovation und Nachhaltigkeit für die conwert Immobilien Gruppe wichtige Themen. Gutmeier: „Im Bereich Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) bzw. Nachhaltigkeit wurden wir erst kürzlich auf der CDP-Jahreskonferenz der DACH-Region mit dem „Best Improver“ ausgezeichnet. Mit der Cloud kann ich hier noch mehr bewegen.“

INTERVIEW

„Cloud bringt mehr Vorteile als reines Outsourcing“

oder

„Flexibilität, Kostenvorteile und Verfügbarkeit stehen im Vordergrund“

Für die conwert Immobilien Gruppe, eines der größten Immobilien-Konzerne im deutschsprachigen Raum, ist Cloud Computing ein essenzieller Teil der IT-Strategie. Schließlich bewirtschaftet der börsenorientierte Immobilien-Riese auf rund 35 Standorten rund 55.000 Einheiten im Bereich privater und gewerblicher Liegenschaften. Zentrale Elemente der Cloud-Strategie sind die Konsolidierung der bestehenden Infrastruktur sowie die Entwicklung neuer Dienste und Services für mehr Flexibilität und Schnelligkeit. KURIER sprach dazu mit Hannes Gutmeier, Leiter IT des gesamten Konzerns und verantwortlich für die Umsetzung der IT-Strategie für über 500 Mitarbeiter mit den Schwerpunkten Kostenoptimierung und Nachhaltigkeit, über die aktuellen Pläne und konkrete Umsetzungsmaßnahmen im Bereich Cloud Computing. 

KURIER: In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Überaus intensiv, denn Cloud Computing ist für uns bei conwert ein wichtiges und zukunftsträchtiges Thema. Wir wollen mit dem Einsatz von Cloud Computing alle Vorteile wie Flexibilität, Innovation, Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit nutzen und somit auch Kostenoptimierung erreichen. Wir haben in der conwert bereits erfolgreich drei Projekte umgesetzt. Für mich ist die richtige Reihenfolge entscheidend für den Erfolg: zuerst erfolgt die Konsolidierung und dann erst geben wir Dienst für Dienst und Service für Service in die Cloud.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang Konsolidierung genau?

Wir hatten zum Beispiel sechs unterschiedliche Finanzsysteme, die haben wir auf ein System reduziert und aus dieser gesicherten Position sind wir dann in die Cloud gegangen.

In welchen Bereichen wird die Cloud für Ihr Unternehmen zukünftig essenziell?

Cloud bringt mehr Vorteile als reines Outsourcing. Ich habe einen viel geringeren Kostenaufwand, die Sicherheitsstandards sind weitaus höher und zudem ökonomischer umzusetzen als bei einem Inhouse Betrieb. Die generell höhere Standardisierung bringt auch Innovation, daher werden wir, wo es möglich und sinnvoll ist, in die Cloud gehen.

Welche Cloud-Services kommen bereits zum Einsatz?

Wir haben bereits mehrere Cloud-Systeme im Einsatz. Begonnen wurde mit dem Web Content Filter, dann folgte das Dokumentenmanagement-System und aktuell als letztes auch unser gesamtes Finanzsystem und hier sowohl mit unserem ERP (Enterprise Ressource Planning) als auch mit BI (Business-Intelligence/-Data) für Planung und Reporting und unserer Konsolidierungs-Software mit einer In-Memory Technologie. Nächstes Thema ist unser Mailsystem und parallel weitere Infrastructure-Services.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken um, die gegenüber Cloud-Lösungen geäußert werden?

Es werden immer wieder Bedenken geäußert, etwa betreffend Datensicherheit oder Zuverlässigkeit und natürlich auch beim Thema, das vorhandene interne Ressourcen überflüssig werden weil sie extern günstiger laufen. Wir schauen uns das im Detail sehr genau an. Beim Hinterfragen einzelner Punkte stellen wir dann aber fest, dass das eher persönliche Themen sind und keine Bereiche trifft, die man organisatorisch oder über Verträge und somit rechtlich nicht klären oder definieren kann. Warum sollen etwa Mail-Dienste nicht über die Cloud laufen? Diese werden ja bereits jetzt über das Internet übertragen und alle nutzen das bedenkenlos. Personenbezogene Daten werden bei uns ohnehin verschlüsselt.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Fachabteilungen wissen, in welcher Form Cloud Computing möglich oder untersagt ist?

In rechtlicher Hinsicht ist das Thema mit der internen Rechtsabteilung geklärt. Das betrifft auch das Thema Datenschutz, wo es eine enge Abstimmung mit unserem externen Datenschutzbeauftragten gibt. Für die anderen Fachbereiche stehen vor allem die Flexibilität, die Kostenvorteile und die Verfügbarkeit im Vordergrund. All diese Bereiche kann ich in der Cloud besser erfüllen, als im eigenen Rechenzentrum. Zusätzlich kann ich durch die Standardisierung auch viel schneller neue Funktionalitäten zur Verfügung stellen. Grundsätzlich gilt aber, dass Cloud-Dienste gezielt von der IT freigegeben werden, um einen Wildwuchs zu vermeiden.

Wie stellen Sie sicher, dass die einzelnen Mitarbeiter das erforderliche Know-how haben, um mit einer komplexen Sourcing-Beziehung wie Cloud Computing umgehen zu können?

Es gibt bei meinen Mitarbeitern bereits Erfahrungen mit größeren Outsourcing-Projekten im Bereich Infrastruktur und Applikationen. Hier gibt es weitgehend ähnliche Anforderungen, etwa hinsichtlich SLA Management (Service Level Agreements) und vertraglicher Themen. Zudem werden die Kollegen für diese Themen geschult und herangeführt, beispielsweise bieten wir gezielte Lehrgänge für Nachwuchsführungskräfte oder Datenschutz an.

Welches Anforderungsprofil braucht ein neuer IT-Mitarbeiter, damit er mit künftigen IT- und fachspezifischen Cloud-Anforderungen gut umgehen kann?

Grundsätzlich sollten neue Mitarbeiter neuen Themen gleichermaßen aufgeschlossen und kritisch gegenüberstehen. Und Kollegen, die ich im Rahmen unserer Cloud-Strategie nicht mehr in der bisherigen Funktion einsetzen kann, werden auf andere Bereiche umgeschult.

Wie prüfen Sie vor dem Einsatz die ausreichende Qualität eines potentiellen Cloud Services?

Bei den ersten Projekten haben wir externe Berater beigezogen, beim letzten Projekt konnten wir das rein intern abwickeln und bei neuen Cloud-Projekten entscheide ich je nach vorhandenem Know-how.

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Marcus Frantz
CIO OMV


Marcus Frantz übernahm am 1. Jänner 2013 die Position als Konzern Chief Information Officer (CIO) der OMV. Er studierte Betriebswirtschaft an den Universitäten Konstanz und Trier in Deutschland. Danach arbeitete er als Experienced Manager und Senior Berater bei unterschiedlichen internationalen Consulting-Unternehmen. 2004 kam Marcus Frantz als Head of PMO (Project Management Office) zum damaligen Service Netzwerk OMV. Während seiner Karriere bei Global Solutions bekleidete er die Positionen als Head of Business Applications, Head of Mid- & Downstream Applications, Head of Infrastructure und zuletzt Head of Business Unit IT bei Global Solutions in Wien.

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Die OMV, mit ihrer Zentrale in Wien, ist eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs. Das im Jahr 1956 in Österreich gegründete Unternehmen ist mittlerweile in über 30 Ländern weltweit tätig. Das integrierte, internationale Öl- und Gasunternehmen mit rund 29.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern setzt auf profitables Wachstum in den drei Geschäftsbereichen Exploration & Produktion (E&P), Gas & Power (G&P) sowie Raffinerien & Marketing inklusive Petrochemie (R&M). Die OMV verfügt über rund 4.200 Tankstellen der Marken OMV, Avanti, Petrom und Petrol Ofisi und betreibt vier Raffinerien.

Our vision


Kurzfilm Marcus Frantz

OMV auf dem Weg in die Cloud

OMV und der Weg in die Cloud

Wie Österreichs Unternehmen Cloud Computing nutzen.

Märkte, Unternehmensstrukturen, Geschäftsbeziehungen und Kommunikationswege verändern sich immer schneller. Im globalisierten Business-Bereich symbolisiert insbesondere die Cloud einen Paradigmenwechsel, der auch als Teil der dritten Industriellen Revolution bezeichnet wird. Die OMV ist traditionell zwar ein zentral ausgerichteter Konzern, Cloud Computing spielt aber jetzt schon in seiner IT-Strategie eine wichtige Rolle. Die eigenen Förderanlagen stehen mitunter an weit entlegenen Orten, zudem expandiert das größte österreichische Industrieunternehmen zügig ins Ausland – in jüngster Zeit auch in Afrika sowie der Nordsee.

Schnell & sicher

Für Marcus Frantz, Group-CIO des OMV-Konzerns, müssen alle IT-Agenden daher vor allem schnell und sicher gehen, wobei für ihn Standardisierung und Harmonisierung essenziell sind. Auf diesem Weg sei die Cloud künftig unerlässlich. „Cloud Computing erlaubt mehr Flexibilität, Geschwindigkeit, Sicherheit und Skalierbarkeit – und eröffnet uns auch neue Aufgaben- und Geschäftsfelder“, so der Experte. Dabei ermöglicht die Cloud nicht nur eine Weiterentwicklung der Bereitstellung von IT-basierten Lösungen, sondern wirkt sich durch reduzierte Kosten sowie erhöhte Agilität und Wettbewerbsfähigkeit auch positiv auf das Kerngeschäft des in über 30 Ländern agierenden Unternehmens aus. Frantz: „Wir nennen es zwar ,Private Cloud‘, meinen damit aber eine Hybrid-Cloud. Dabei bedienen wir uns stark der SaaS-Ansätze (Software as a Service), u.a. im Hinblick auf Time-to-Market.“ Mit Hilfe der Cloud wird Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, von überall auf alle Daten zuzugreifen, „anywhere, anytime“.

„Digital Branch Office“

Eine solche Mobilität von Daten wird für internationale Konzerne und im Hinblick auf Digital Branch Offices künftig unerlässlich sein – das zeigte sich für OMV z.B. durch den Arabischen Frühling: „Man kann Daten nicht nur schnell zur Verfügung stellen, sondern diese bei Bedarf auch wieder löschen. So gelingt der schnelle Roll-out von Niederlassungen und bei Bedarf
auch ein rascher Rückzug der Mitarbeiter und Daten“, weiß der CIO.
Aktuell erstellt OMV eine neue, übergreifende Cloud-Strategie. Frantz: „Es reicht nicht mehr aus, das Thema Cloud nur über die Infrastruktur zu definieren. Sie muss den künftigen Anforderungen an eine aktive Cloud-Brokerage Rechnung tragen.“ Dementsprechend hat OMV zur Unterstützung der Mitarbeiter Cloud-Checklisten definiert. Damit wandelt sich in der Alltagspraxis nicht zuletzt die Rolle des IT-Mitarbeiters, indem oft aus einem IT-Administrator ein IT-Servicemanager bzw. Service-Broker wird. Und das erfordert auch zusätzliches Know-how, das man bei OMV durch gezielte Aus- und Fortbildungsmaßnahmen vermitteln will. CIO Frantz: „Das ist eine der größten Herausforderungen, mit der man sich befassen muss. Manche versuchen die Augen davor zu verschließen, aber die Mehrheit ist offen und einige stehen den neuen Entwicklungen mit Begeisterung gegenüber und bringen sich beim Cloud-Thema proaktiv mit ein.“

INTERVIEW

„Skalierbarkeit und Flexibilität sind essenziell“

Vorreiter. CIO Marcus Frantz zur IT-Strategie.

Für die OMV ist Cloud Computing ein immer wichtigeres Element der IT-Strategie. CIO Marcus Frantz ist verantwortlich für 18.000User/Clients in 25 Ländern und spricht über technologische Entwicklungen, neue Anforderungen an Industrie und Ausbildung sowie die Erfahrungen aus dem Arabischen Frühling.

In welcher Form beschäftigen Sie sich mit Cloud Computing?

Marcus Frantz:  Cloud Computing ist für uns ein zentrales Thema. Ausgangspunkt dabei ist unser Bestreben, ein flexibles und agiles Arbeitsumfeld zu unterstützen. Primär stehen zwei Bereiche im Vordergrund: Das Data Center, das wir künftig auf die Cloud erweitern wollen, insbesondere für die bessere Zusammenarbeit mit weiter entfernten Standorten. Und „Digital Branch Office“, wo angepasst an den Lebenszyklus einer Niederlassung die notwendigen Services vor Ort zur Verfügung stehen, die gegebenenfalls – wie im Arabischen Frühling – aber schnell verlassen werden können.

Wo sehen Sie die entscheidenden Vorteile von Cloud Computing für Ihr Unternehmen?

Cloud ist die Grundvoraussetzung, um mobile Arbeitsprozesse gestalten und durchführen zu können. Dabei brauchen wir eine flexible Skalierbarkeit, um Leistung rasch und bedarfsgerecht nutzen und anbieten zu können. Gerade im Bereich Analytics und Informationsmanagement werden Services (z.B. predictive maintanance, Digital Oilfield oder Digital Gas Stations) erst durch das Nutzbarmachen der Cloud möglich. Im mobilen Bereich muss z.B. auch ein Regions-Manager, der an die Tankstelle geht, alle relevanten Informationen auf seinem Gerät zur Verfügung haben.

Wie gehen Sie mit der Vielzahl der Bedenken zu Cloud um?

Unternehmenssicherheit ist für uns vorrangig, sowohl was wichtige Daten als auch was Prozesse betrifft. Cloud Computing ist per se kein Risiko. Es ist eine Frage des bewussten Umgangs mit den dahinter stehenden Daten. Zudem ist es eine Frage des Aufwandes, um die nötigen Sicherheitsstandards zu erreichen. Man muss sicherstellen, dass die definierten Service-Level eingehalten und die erforderlichen Zugangsbeschränkungen umgesetzt werden.

Wie prüfen Sie die Qualität eines potenziellen Cloud-Services vor dessen Einsatz?

Wir ziehen unsere Cloud-Guidedline heran, prüfen nach Einzelfällen, stimmen das mit den Kollegen aus den Fachabteilungen ab, prüfen die Integrierbarkeit in unsere IT und involvieren die Einkaufs- und Rechtsabteilung.

 

 

Bilder

 

 


Die Berichte aus dieser Impulsserie entstehen im Rahmen von persönlichen Gesprächssituationen mit Einzelpersonen von hoher Reputation. Im Zuge des Storytellings wird gezeigt, wie die Cloud von solchen Menschen ernsthaft und erfolgreich erarbeitet wird (Strategie, Auswahl, Roadmap, Tests etc.). Dem Prinzip der Initiative Trust in Cloud entsprechend stehen einzelne Produkte oder Lösungen bestimmter Firmen nicht im Vordergrund.